Mobilfunktarife werden teurer – die Tricks der Provider und was Du dagegen tun kannst

Schaust Du Dich aktuell nach einem neuen Handyvertrag um? Vielleicht ist Dir dann schon aufgefallen, dass LTE-Tarife in den letzten Monaten teurer geworden sind. Im europäischen Vergleich bieten deutsche Provider wenig Datenvolumen fürs Geld. Warum das so ist, mit welchen Tricks die Mobilfunkanbieter ihre Preise erhöhen und was Du bei einer Preiserhöhung tun kannst, verrate ich Dir in diesem Artikel.

Netzgebühren, teure Frequenzen, keine Konkurrenz. Warum sind deutsche LTE-Tarife so teuer?

Inhalt

So viel kosten die LTE-Tarife der großen Provider

Zum 1. August 2017 aktualisierte Vodafone seine Smart-Tarife. Pro Monat kosten diese 2 Euro mehr. Für den preiswertesten Tarif musst Du jetzt 14,99 Euro zahlen. Dafür gibt es gerade einmal 250 MB Datenvolumen. Außerdem musst Du Dich mit 50 Telefonminuten und 200 Inklusiv-SMS begnügen.

Die günstigste Allnet-Flatrate Easy S gibt es ab dem 1. August für ebenfalls 14,99 Euro im Monat. Dafür erhältst Du 2 GB Datenvolumen – allerdings ohne Anbindung ans LTE-Netz. Die maximale Surfgeschwindigkeit liegt bei 42,2 MBit/s.

Der preiswerteste Highspeed-Tarif mit Allnet-Flat, Vodafone Red S, bietet Dir 3 GB Datenvolumen für 28,79 Euro im Monat (Angebote siehe hier).

Bei o2 kostet Dich die preiswerteste Allnet-Flat, o2 Free S mit 1 GB LTE-Datenvolumen, 19,99 Euro. In den o2 Free-Tarifen surfst Du nach Verbrauch des Inklusivvolumens immerhin noch mit bis zu 1 MBit/s weiter.

Willst Du in Deutschland eine echte Datenflatrate nutzen, also komplett ohne Drosselung surfen, bietet nur die Telekom einen entsprechenden Tarif. Für MagentaMobil Premium XL (siehe hier) zahlst Du allerdings stolze 199,95 Euro pro Monat.

Im europäischen Vergleich sind die LTE-Tarife deutscher Provider damit sehr teuer.

Deutsche LTE-Tarife im europäischen Vergleich

Alle Jahre wieder bringt das finnische Beratungsunternehmens Rewheel seinen Digital Fuel Monitor heraus. Der Bericht vergleicht, wie viel 4G Inklusivvolumen es in den europäischen Staaten für maximal 30 Euro gibt,

Unter 28 Ländern im Vergleich erreicht Deutschland im Jahr 2017 Platz 21. Für 19,99 Euro bekommst Du hier 6 GB LTE-Datenvolumen. Immerhin: Das sind mehr als noch 2016, als Du für 4 GB 35 Euro zahlen musstest. In anderen europäischen Ländern gibt es aber wesentlich mehr fürs Geld.

Mobilfunk Preisvergleich Europa

So viel LTE-Datenvolumen gibt es in Europa für 30 Euro pro Monat. Quelle: dfmonitor.eu

Unbegrenztes Datenvolumen bieten die Provider in Dänemark, Lettland, der Slowakei, Kroatien, Estland, in den Niederlanden, Litauen, Finnland und Irland – jeweils für 30 Euro oder weniger im Monat. In Dänemark kostet das unbegrenzte mobile Surfen im LTE-Netz sogar nur 15,47 Euro monatlich.

Auch in anderen Ländern erhalten Mobilfunkkunden wesentlich mehr Datenvolumen als in Deutschland:

  • in Polen kosten 100 GB 19,20 Euro
  • in Frankreich bekommst Du 100 GB für 19,99 Euro
  • in Slovenien gibt es 50 GB für 25 Euro
  • in Rumänien 30 GB für 4,84 Euro
  • in Italien 30 GB für 15 Euro
  • in Österreich 30 GB für 20 Euro
  • im Vereinigten Königreich 30 GB für 28,32 Euro
  • in Bulgarien 29 GB für 29,57 Euro
  • in Spanien 25 GB für 28,80 Euro
  • in Schweden 23 GB für 29,80 Euro
  • in Luxemburg gibt es immerhin noch 15 GB für 25 Euro

Teurer als in Deutschland ist LTE-Inklusivvolumen nur in Tschechien, Belgien, Zypern und Portugal. In Griechenland, Malta und Ungarn stehen keine LTE-Tarife zur Wahl (mehr Infos gibt es hier).

Preiswertere Alternativen in Deutschland

Natürlich gibt es auch in Deutschland preiswertere Tarife. Allerdings kannst Du mit diesen nicht im 4G LTE-Netz surfen. Viele Discount-Marken von Drillisch (beispielsweise simply oder smartmobil) bieten 4G-Tarife im o2-Netz für unter 10 Euro. Dafür gibt es aber meist nur 1 GB bis 2 GB, die Surfgeschwindigkeit liegt bei maximal 50 MBit/s.

Oder die Angebote sind zeitlich begrenzt, wie das sogenannte YOUbiläumsangebot von o2: Bis zum 5. September 2017 bekommst Du einen o2 Free 15 Tarif mit 15 GB für 29,99 Euro monatlich.

Auch Discount-Tarife ziehen die Preise an

Noch sind Discount-Tarife eine vergleichsweise preiswerte Alternative. Aber auch viele Discounter haben ihre Preise in den vergangenen Monaten erhöht. Seit Mai 2017 verlangt zum Beispiel winSIM mehr Geld für LTE-Tarife. Diese kosten jetzt bis zu 50 Prozent mehr.

Und nach dem Zusammenschluss mit 1&1 will der Discount-Anbieter Drillisch weg vom Billig-Image. Mit steigender Qualität sollen auch die Preise angepasst werden. LTE-Tarife für unter 10 Euro könnten bald der Vergangenheit angehören.

Die Tricks der Provider

Viele Kunden ärgern sich vor allem über fast unmerklich durchgeführte Preiserhöhungen. So haben Provider zum Beispiel die Laufzeit von Prepaid-Tarifen gekürzt. Galt die Laufzeit vormals einen ganzen Monat, rechnen die Anbieter jetzt im 28-Tage-Rhythmus ab – beispielsweise bei der stillen Preiserhöhung bei LIDL Connect. Am Ende des Jahres zahlen Kunden so fast einen ganzen Monat zusätzlich.

Als letzter Provider setzte o2 die Laufzeit der Prepaid-Tarife auf 28 Tage herab. Bei Telekom und Vodafone gilt eine Laufzeit von vier Wochen schon seit einigen Monat als Standard.

Vodafone spendiert seinen CallYa-Kunden dafür ab dem 8. August 2017 immerhin erneut 25 Prozent mehr Datenvolumen – ohne weitere Mehrkosten und dauerhaft.

Bei den Laufzeittarifen verändern die Mobilfunkanbieter gleich mal die gesamte Tarifstruktur. Wenn der alte Tarif aus dem Programm genommen wird, müssen auch Bestandskunden tiefer in die Tasche greifen. So, wie es bei Vodafone gerade geschehen ist.

Zum Ausgleich gibt es dann ebenfalls etwas mehr Datenvolumen. Ob dies die Preissteigerung rechtfertigt, ist aber oftmals fraglich.

Warum sind LTE-Tarife in Deutschland so teuer?

Es stellt sich die Frage, warum LTE-Tarife in Deutschland eigentlich so viel mehr kosten als in vielen anderen europäischen Ländern.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Teure Frequenzen: Die Netzbetreiber müssen hierzulande die Frequenzen, über die Mobilfunkdaten gesendet werden, vom Staat ersteigern.
  • Teurer Netzausbau: Für den Netzausbau sind in Deutschland ebenfalls die Netzbetreiber zuständig. In anderen europäischen Ländern fördert der Staat den Ausbau stärker.
  • Fehlender Konkurrenzdruck: Mit gerade einmal drei großen Anbietern fehlt es dem deutschen Mobilfunkmark schlicht an Konkurrenz.

Mobilfunkanbieter rechtfertigen die teuren Tarife außerdem damit, dass Deutschland ein großes Land mit noch dazu sehr vielen bergigen Regionen sei. Die schiere Fläche würde den Netzausbau besonders teuer machen. Die Bundesnetzagentur hat den Anbietern zudem vorgeschrieben, 98 Prozent der Haushalte deutschlandweit ans mobile Breitbandnetz anzubinden. Das kostet.

Darüber hinaus hätten in Deutschland noch mehr Menschen einen Festnetzanschluss als zum Beispiel in skandinavischen Ländern. Die Provider könnten sich daher nicht rein auf den Ausbau des mobilen Netzes konzentrieren.

Sind Auslandstarife eine Alternative?

In Deutschland bekommst Du für 19,99 gerade einmal 6 GB – in Frankreich kriegst Du für dieselbe Summe ganze 100 GB. Nach dem Wegfall der Roaming-Gebühren im Juni 2017 erscheint es da verlockend, einfach einen Vertrag mit einem französischen Mobilfunkanbieter abzuschließen.

So einfach ist das aber leider nicht. Die günstigen Auslandstarife sieht die EU nur für Urlauber vor, nicht als preiswerte Alternative im Heimatland. Das wird auch als Fair Use Policy bezeichnet, bei der bei missbräuchlicher Nutzung der Verträge zusätzliche Gebühren berechnet werden können.

Das bedeutet: Einen Vertrag mit einem französischen Provider darfst Du daher abschließen, wenn Du tatsächlich in Frankreich wohnst. Oder wenn Du eine langfristige Verbindung zum Land hast, zum Beispiel sehr häufig geschäftlich dort bist.

Stellt der französische Anbieter einen Missbrauch fest, merkt er also, dass Du in Deutschland wohnst, kann er den Vertrag kündigen.

Dein Mobilfunkanbieter erhöht die Preise: Was Du tun kannst

Erhöht Dein Mobilfunkprovider während der Vertragslaufzeit die Preise, gilt anders als oft angenommen kein grundsätzliches Recht auf eine außerordentliche Kündigung mehr. Dieses wurde mit dem post- und tele­kommunikations­rechtlichen Bereinigungs­gesetz aufgehoben. Dass ein Provider ein Sonderkündigungsrecht einräumt, obwohl er nicht dazu verpflichtet ist, geschieht eher selten.

Hast Du einen Handyvertrag mit monatlicher Kündigungsfrist, kannst Du natürlich einfach eine ordentliche Kündigung einreichen und Dir einen günstigeren Handyvertrag suchen.

Läuft Dein Vertrag über 12 oder 24 Monate, kannst Du im Fall einer Preiserhöhung Widerspruch einlegen und auf Einhaltung der alten Bedingungen bestehen. Dafür hast Du meist vier Wochen Zeit, nachdem Dein Anbieter die Preiserhöhung angekündigt hat.

Häufig führt der Widerspruch dazu, dass der Provider den Vertrag kündigt, um nicht viele unterschiedliche Vertragsverhältnisse mit einzelnen Kunden einhalten zu müssen. Auch der Anbieter ist dabei allerdings an die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist gebunden.

Damit Du Deine Kündigung oder Deinen Widerspruch im Zweifel nachweisen kannst, verschicke diesen am besten als Einschreiben per Post.

Vielleicht bietet Dir Dein Provider dann sogar an, in einen günstigeren Vertrag zu wechseln – denn grundsätzlich sind die Anbieter ja daran interessiert, ihre Kunden zu halten. Es lohnt sich daher, bei Preiserhöhungen zumindest Widerspruch einzulegen und auch das Gespräch mit dem Kundenservice zu suchen.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertung(en), durchschnittlich: 5,00 Stern(e)
2 Kommentare

Dein Kommentar

Was sagst Du zum Thema? Deine Meinung interessiert mich.
Nimm' doch gleich an unserer Diskussion teil und hinterlasse einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

You have to agree to the comment policy.