Photokina 2016: Kamerahersteller rüsten gegen Smartphones auf

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Ein Schnappschuss hier, ein Video dort: Mit dem Smartphone hast Du Deine Kamera immer mit dabei. Und Smartphone-Besitzer nutzen die Kamerafunktion fleißig: Rund eine Million Fotos werden derzeit pro Jahr aufgenommen, so viele wie noch nie. Für viele davon kommt keine Digitalkamera mehr zum Einsatz, sondern eben das praktische Mobiltelefon. Viele Smartphones setzen heute auf die gleichen Bildsensoren wie große Kameras, immer bessere Aufnahmen gelingen. Smartphones werden auf diese Weise zur ernstzunehmenden Konkurrenz für Fotokameras. Wie Kamerahersteller auf diese Herausforderung reagieren, zeigten sie auf der Photokina in Köln.

100 Prozent aller 14- bis 19-jährigen fotografieren

Vom 20. bis zum 25. September 2016 kamen in Köln wieder Hobbyfotografen, Profis und Hersteller zur Photokina – der weltgrößten Messe rund ums Bild – zusammen. Der Fokus lag in diesem Jahr deutlich auf den neuen Entwicklungen, mit denen Kamerahersteller der Konkurrenz der Smartphones entgegentreten wollen.

Im Vorfeld der Photokina hatte Canon zusammen mit der Gesellschaft für Konsumgüter eine Studie zum Fotografieverhalten der Deutschen veröffentlicht. Hobbyfotografen zwischen 14 und über 60 Jahren haben beschrieben, wie oft und mit welchen Geräten sie fotografieren.

In der Altersgruppe der 14- bis 19-jährigen fotografieren demnach 100 Prozent der Befragten. Unter den 20- bis 29-jährigen sind es noch 99,5 Prozent, bei den über 60-jährigen machen immerhin noch 94 Prozent regelmäßig Aufnahmen.

Jugendliche knipsen lieber mit dem Smartphone

Vor allem Jugendliche greifen für ihre Bilder aber eher zum Smartphone als zur Kamera. 98 Prozent bevorzugen in Alltagssituationen das Mobiltelefon. Unter den Befragten aller Altersgruppen sind es 70 Prozent.

Kein Wunder: Das Smartphone ist in der Regel noch wesentlich handlicher als eine Kompaktkamera und man hat es ohnehin immer mit dabei. Die eingebauten Objektive werden immer besser und ermöglichen immer professionellere Aufnahmen. Mit Foto-Apps hast Du Deine Bilder in wenigen Minuten bearbeitet. Und nicht zuletzt kannst Du gelungene Schnappschüsse über das Smartphone in Windeseile mit Deinen Freunden teilen.

Ob Hobbyfotografen Smartphone oder Kamera in die Hand nehmen, hängt der Canon-Studie zufolge aber auch von der Gelegenheit ab. Im Urlaub ziehen 85 Prozent der Befragten doch eine herkömmliche Fotokamera vor. Bei besonderen Anlässen greifen 73 Prozent zur Kamera.

Kamerahersteller reagieren auf die Konkurrenz

Die Studie zeigt bereits: Für Kamerahersteller sind Smartphones zur ernsthaften Konkurrenz geworden. Das macht sich auch in den Absatzzahlen bemerkbar: Diese sinken laut Photoindustrie-Verband in diesem Jahr um 13 Prozent. Nur noch rund 3,5 Millionen Fotokameras werden 2016 vermutlich über die Ladentheke gehen.

Die Photokina selbst reagierte natürlich auf die Entwicklung und widmete der Smartphone-Fotografie die eigene Sparte MOBILE. Hier stellten Smartphone-Fotografen und App-Entwickler ihre liebsten Apps vor, junge Entwickler konnten ihre eigenen Apps präsentieren und Besucher konnten ausprobieren, wie sie ihre Smartphone-Bilder optimieren.

Zeiss: Aufsatzobjektive für das iPhone 6

Die Kamerahersteller setzen derweil auf unterschiedliche Strategien. Einige arbeiten schlicht mit der Konkurrenz zusammen. Carl Zeiss etwa präsentierte auf der Photokina Vorsatzobjektive für das iPhone 6 und 6s. Diese Objektive verändern den Bildwinkel der Kamera. An einem Zubehörhalter können außerdem Mikrofon oder Videolichter angebracht werden.

Zeiss ExoLens für iPhone 6 und iPhone 6s

Hersteller wie Zeiss setzen auf externe Objektive für Smartphones wie die ExoLens. Quelle: exolens.com

Zeiss bringt die Objektive für Preise zwischen 150 und 250 Euro in den Handel.

Hochwertige Spiegelreflex für professionelle Aufnahmen

Unter der Konkurrenz der Smartphones leiden vor allem die Kompaktkameras. Viele Hersteller setzen daher nicht mehr auf die Kleinen, sondern auf besonders hochwertige Spiegelreflexkameras mit großem Sensor, großen Zoombereichen und besseren Vernetzungsmöglichkeiten. Denn wer heute noch eine Spiegelreflexkamera kauft, sucht nach einem sehr professionellen Modell.

Dabei macht sich die Branche zunutze, dass auch immer mehr Videofilmer zur Spiegelreflex greifen. Die Kameras ermöglichen Videoaufnahmen in 4K, aus denen zum Beispiel auch hochauflösende Standbilder herausgelöst werden können.

Canon 5D Mark IV

Kamerahersteller setzen hingegen auf komplexe Spiegelreflexkameras wie beispielsweise die Canon 5D Mark IV

Ein derartiges Modell ist etwa die Canon EOS 5D Mark IV. Für rund 4.000 Euro bietet sie 30 Millionen Bildpunkte, 4K-Videos, WLAN, GPS und einen auf bis zu 102400 erweiterbaren ISO-Bereich.

Fujifilm versucht dagegen, mit der kompakten Systemkamera X-A3 Fotografie-Einsteiger anzusprechen. Für 650 Euro bietet die sucherlose Kamera eine Auflösung mit 24 Millionen Bildpunkten, Videos in Full-HD und eine Brennweite zwischen 16 und 50 Millimeter.

Action-Cams: Aufnahmen mit Nervenkitzel

Ein weiterer Trend auf der Photokina waren Action-Cams. Denn Smartphones haben einen Nachteil: Bei rasanten Fahrten mit dem Snowboard oder dem Mountainbike nimmt man die empfindlichen Geräte ungern in die Hand. Robuste Action-Cams dagegen ermöglichen 360-Grad-Aufnahmen in allen erdenklichen Situationen. Die wiederum kannst Du Dir dann über eine Virtual-Reality-Brille ansehen und den Nervenkitzel noch einmal erleben.

Die Branche erwartet, 2016 rund 17 Prozent mehr Action-Cams abzusetzen als im Vorjahr, insgesamt etwa 670.000 Stück.

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