EU-Roaming – das ändert sich: 90 Tage sind genug?!

Roaming
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Wer früher in Grenznähe das Mobiltelefon zückte, der kennt das ungewollte Einwählen des Handys in das Netz des Nachbarlandes. Plötzlich stand da ein unbekannter Anbieter auf dem Handydisplay oder eine Länderkennung in Klammern verriet, dass Du gerade das deutsche Netz verlassen hast. Je nach Modell warnte das Mobiltelefon vor dem Einwählen in das Nachbarnetz und gab erhöhte Kosten für Telefonie, SMS und Internet zu bedenken. Dahinter steckt das sogenannte Roaming. Bald soll dies nun der Vergangenheit angehören, wie ein Vorstoß der EU-Kommission hoffen lässt. Welche Änderungen genau folgen sollen und wie die Zukunft im EU-Roaming ausschaut, das bringe ich Dir in diesem Beitrag näher.

Hinweis: Mittlerweile ist EU-Roaming kostenfrei.

Roaming 2016/2017 im Überblick  – alle Infos zu Gebühren, 90-Tage-Regelung und Tarifen mit Roaming inklusive

Inhalt dieses Artikels

Was ist eigentlich Roaming?

Der englische Begriff Roaming steht für das Herumstreifen oder Streunen und meint ein Einwählen in fremde Netze. Genau das passiert nämlich, wenn Du mit dem Smartphone in anderen Ländern „herumstreifst“, da sich das Telefon in das sendungsstärkste Netz einwählt.

Analog dazu wird auch von Roaming gesprochen, wenn sich das Handy in ein fremdes deutsches Netz einwählt – dann spricht man aber eher vom sogenannten National Roaming . Bist Du beispielsweise Kunde von Vodafone und nutzt das Netz von o2, weil das Vodafone-Netz gerade nicht verfügbar ist, dann findet ebenfalls ein Roaming statt.

National Roaming

Roaming geht nicht nur im Ausland, sondern auch unter den verschiedenen Netzbetreibern in Deutschland. Dann spricht man vom „National Roaming“.

Eigentlich klingt dies nach einer praktischen Sache – Du kannst ein anderes Netz verwenden, wenn Dein Heimnetz gerade nicht zur Verfügung steht. Leider ließen sich die Anbieter den Service bisher gut bezahlen und veranschlagten hohe Roaminggebühren. Ein einträgliches Geschäft, denn auch eingehende Anrufe und SMS wurden mit Roaminggebühren belegt.

Bereits 2007 schritt die EU-Kommission ein und drängte auf eine Höchstgrenze für Roaminggebühren. Künftig durften abgehende Anrufe maximal 49 Cent pro Minute kosten und eingehende Gespräche durften nicht mehr als 24 Cent pro Minute zuzüglich der Mehrwertsteuer kosten. Für Datenvolumen wurden vergleichbare Grenzen definiert. Die Obergrenzen wurden später mehrfach gesenkt und schließlich entstand die Idee, Roaminggebühren generell abzuschaffen.

Das Ende der Roaminggebühren naht – oder doch nicht?

Bald soll es wahr werden – das Wegfallen der Roaminggebühren.

Damit könntest Du Dich im Urlaub kostenfrei von zu Hause anrufen lassen oder selbst in Madrid und Venedig mit Flatrate online surfen. Die Tante in Dänemark erhält dann nicht mehr nur zu erlesenen Feiertagen von ihrem deutschen Neffen einen Anruf und der Enkel darf während der Klassenfahrt nach Paris unbekümmert Fotos von den Sehenswürdigkeiten Frankreichs an andere versenden.

Die Gebühren für das Roaming sollen in der EU komplett entfallen. Bis hier war es ein lange Weg, bestehend aus vielen kleinen Senkungen der Gebühren. Das Ziel war aber klar – Roaming soll fallen.

Aber werden Roaming-Kosten komplett wegfallen? Na ja – es gibt Ausnahmen.

Der Wegfall der Gebühren wurde lange von Reisefreudigen herbeigesehnt und soll Mitte 2017 in Kraft treten. Damit kannst Du Deine Flatrate für das Smartphone europaweit ohne Roaming-Aufschläge nutzen. Grund für die schrittweise Senkung der Gebühren war eine Schonung der Mobilfunkunternehmen. Denn die nutzen Roaming als Einnahmequelle und wenn diese sofort weggefallen wäre, hätte dies deutliche finanzielle Verluste bedeutet.

Auch weiterhin sollen Mobilfunkanbieter die Möglichkeit erhalten, Roaminggebühren in Rechnung zu stellen. Dies ist aber nur gestattet, wenn eine Fair-Use-Grenze für die Nutzung fremder Netze überschritten wurde. Damit soll verhindert werden, dass jemand im Ausland eine sehr günstige SIM-Karte erwirbt oder einen preiswerten ausländischen Tarif nutzt, um im Inland damit dauerhaft wenig für Mobilfunkleistungen zu zahlen. Bekannt ist dies als 90-Tage-Regelung.

Die 90-Tage-Regelung im Detail

Wenn Gebühren für das Roaming wegfallen, dann könnten Vieltelefonierer auf die Idee kommen, günstige ausländische Verträge abzuschließen und dennoch vom Inland aus zu telefonieren.

Auch Langzeiturlauber oder Auswanderer, die weiterhin einen Vertrag aus der alten Heimat nutzen, würden vom Wegfall der Roaminggebühren sehr profitieren oder diesen fast schon ausnutzen. Dem will die EU einen Riegel vorschieben. Das gilt als Fair-Use-Grenze, wobei sich die Fairness weniger auf die Nutzer, sondern eher auf die Mobilfunkanbieter bezieht.

Im September 2016 schlug die EU-Kommission eine Grenze vor, die das roamingfreie Nutzen limitieren soll. Du kannst also, nach diesem Entwurf, vom Ausland aus weiter mit deutscher SIM-Karte telefonieren oder – im umgekehrten Fall – von Deutschland aus im deutschen Netz mit einer ausländischen SIM telefonieren. Hierbei fallen 90 Tage im Jahr keine Roaminggebühren an. Überschreitest Du diese 90 Tage, dann fallen Roaminggebühren an – allerdings die deutlich gesenkten Gebühren, die zuletzt im Mai 2016 vereinbart wurden.

Diese EU Roaming Konditionen über die 90-Tage-Regelung hinaus sehen wie folgt aus:

  • maximal 5 Cent je Minute für abgehende Anrufe
  • 1,14 Cent je Minute für ankommende Anrufe
  • 2 Cent je SMS
  • 5 Cent je Megabyte Datenvolumen bei mobiler Internetnutzung  (jeweils zzgl. MwSt.).

Quelle: Bundesnetzagentur

Mittlerweile wurde aber bekannt, dass die 90-Tage-Regelung seitens der EU nochmals überarbeitet wird. Dieses Modell ist also noch nicht beschlossen. Es bleibt spannend, was sich die Politiker in Brüssel als nächstes ausdenken … 🙂 Wir berichten an dieser Stelle natürlich darüber, sobald sich etwas neues ergibt.

Einwahlklauseln reduzieren die Freiheit

Zudem ist geplant, dass Mobilfunkanbieter eine Einwahlklausel festlegen dürfen. Diese besagt, dass sich Nutzer spätestens nach 30 Tagen Auslandstelefonie einmal in das Heimatnetz einbuchen müssen. SIM-Karten für die Prepaid-Nutzung müssen weiterhin eine gewissen Zeitraum lang im Heimatnetz verwendet werden, bis sie dann auch im Ausland genutzt werden dürfen.

90-Tage-Regelung

Einwahlklauseln sollen ein „Tarifhopping“ unterbinden. Dabei werden günstige ausländische Tarife dauerhaft in einem anderen EU-Land verwendet. Um dagegen vorzubeugen, plant die EU die Einführung der 90-Tage-Regelung.

Sonderregelungen soll es aber für Pendler und Bewohner grenznaher Gebiete geben. Vorgeschlagen wurden Aufschläge von 0,85 Cent pro MB Datenvolumen oder einem Cent pro SMS. Bisher ist aber alles noch nicht in trockenen Tüchern – es handelt sich lediglich um Vorschläge, welche die EU-Kommission eingebracht hat.

Übrigens: Die vorgeschlagenen Änderungen gelten nur für die EU. Verschlägt es Dich etwa im Urlaub nach Australien oder in andere Länder, die nicht zur EU gehören, dann können die Roaminggebühren deutlich höher sein. Die Kosten für mobiles Internet und Telefonie variieren im Nicht-EU-Ausland. Am besten fragst Du hier bei Deinem Anbieter nach oder schaust in der Preisliste nach Deinem Reiseland, der Ländergruppe und den gebühren, die bei Verbindungen in dieser Ländergruppe anfallen.

Roaming-Aufschläge umgehen

Es gibt Möglichkeiten, die Roaminggebühren auch heute schon zu umgehen, obwohl die endgültige Abschaffung erst 2017 erfolgen soll. So kannst Du bei vielen Smartphones das Roaming abstellen. Updates oder der Empfang von Nachrichten werden dann in fremden Netzen unterbunden und erfolgen erst wieder, wenn sich Dein Smartphone in das Heimatnetz einwählt. Zusatzkosten sind damit ausgeschlossen.

Hier noch einige Tipps, um Roaming-Kosten zu umgehen:

  • In grenznahen Gebieten wählt sich Dein Smartphone manchmal in das Netz des Nachbarlandes ein, wenn dieses besseren Empfang bietet. Um dagegen vorzugehen solltest Du in den Optionen Deines Geräts die Fremdnetze sperren.
  • Während der Urlaubs- und Ferienzeit kannst Du für Deine Reise bei zahlreichen Anbietern Auslandsoptionen hinzubuchen. Das sind dann beispielsweise Datenpakete, die Du im Auslandsnetz nutzend darfst und die nur wenig zusätzlich kosten.
  • Bist Du länger im Ausland, dann ist eine SIM-Karte des jeweiligen Landes eine günstige Alternative. Das kann sich für Dich sogar richtig lohnen, da in einigen Ländern Datenpakete für die mobile Internetnutzung viel günstiger sind als in Deutschland. Die Nutzung ausländischer SIM-Karten funktioniert aber nur dann, wenn Dein Smartphone simlockfrei ist und mit anderen SIM-Karten genutzt werden kann. Alternativ solltest Du Ausschau nach kostenfreiem WLAN halten.

Schon heute keine Roaminggebühren mehr – einige Anbieter machen es möglich

Die Erleichterungen für Telefonate und Datenpakete im Ausland sollen erst 2017 kommen. Dennoch musst Du nicht darauf warten, bis die Beschlüsse der EU endlich rechtskräftig werden. Einige Anbieter scheinen ein Herz für Pendler und Reisende zu haben. So bieten Vodafone und die Telekom neue Smartphone-Tarife an, bei denen auch die Nutzung in anderen EU-Ländern einkalkuliert ist. Ähnliches findet sich bei o2.

Wenn Du bereits einen Vodafone-Vertrag hast, dann kannst Du als Bestandskunde in einen der Tarife mit kostenfreiem Roaming wechseln. Der Wechsel ist aber nur bei einer Vertragsverlängerung möglich. Neukunden können die neuen Tarife ebenso nutzen. Möchtest Du als Bestandskunde Deinen Vertrag bei Vodafone nicht verlängern, dann bleibt nur die Möglichkeit, den aktuellen Vertrag auslaufen zu lassen und danach in einen Roaming-Inklusive-Vertrag zu wechseln. Beinhaltet ist das Roaming bei einigen Red-Tarifen, die in ihrer Struktur aber umgestellt und preislich angepasst wurden.

Ohne Roaming bei der Telekom und mit o2 unterwegs

Die Telekom zieht nach und bietet ebenso Tarife, bei denen Reiselustige keine Roaminggebühren innerhalb der EU zahlen müssen.

Die deutsche Flatrate für Telefonie, SMS und mobiles Internet können Kunden auch bei einem Auslandsaufenthalt mitnehmen – dies gilt selbst für Norwegen, Island und das beliebte Reiseziel Schweiz. Enthalten ist das kostenfreie Roaming in den neuen Tarifen von MagentaMobil. Bei o2 bieten einige Blue-Tarife das kostenfreie Roaming. Dies gilt ab der Tarifstufe Blue-All-in L.

Wer einen günstigeren Tarif nutzt, kann die Roaming-Möglichkeit für eine etwas höhere monatliche Grundgebühr hinzubuchen. Enthalten sind Telefonie, nicht aber SMS. Neben EU-Ländern kannst Du das Paket auch in Norwegen, Island sowie der Schweiz nutzen. Bei der mobilen Internetnutzung besteht eine Beschränkung auf 1 GB an Datenvolumen. Wer mehr Datenvolumen benötigt, kann zusätzliche Datenpakete dazu bestellen, allerdings fallen dafür dann Kosten an. Die Geschwindigkeit der Datenübertragung ist auf 1 MBit/s reduziert.

Darüber hinaus bietet auch BASE im BASE Pro eine Roaming Flat in einigen Tarifen inklusive an. Gleiches gilt für die Marken des Drillisch-Konzerns wie smartmobil oder simply. Her gibt es – abhängig vom gewählten Tarif – entweder 100 Inklusiveinheiten und 100 MB pro Monat oder in den höherwertigen Tarifen eine Telefonie- & SMS Flat sowie 1 GB Datenvolumen pro Monat.

Deine Meinung zur Abschaffung der Roaming-Aufschläge

Hast Du auch schon auf das kostenfreie Roaming gewartet? Wie sind Deine Erfahrungen mit Roaming? Bist Du schon einmal in eine Kostenfalle getappt oder hast schlechte Erfahrungen gemacht? Oder nutzt Du bereits Tarife, in denen Roaming inkludiert ist? Sag uns Deine Meinung zum Thema … 🙂

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Andrea Augustin

Hallo, ich bin Andrea und blogge bei den smartphonepiloten zu aktuellen Mobilfunktrends und spannenden Angeboten rund ums Telefonieren. Ich entdecke gern Neues und teste innovative Ideen.

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