Wie Smartphones unsere Gedanken verändern …

Wie Smartphones unsere Gedanken verändern
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Es ist wirklich schwer, sein Smartphone nicht zu verwenden, bietet es doch eine beeindruckende Welt von Daten und Apps, Suchmaschinen oder Tweets und alle Informationen, die wir in verschiedenen Situationen gebrauchen können.

Apple hat herausgefunden, dass Nutzer des aktuellen iPhones dieses im Durchschnitt 80 Mal am Tag verwenden. Damit wird das kleine multimediale Talent im kommenden Jahr von jedem Nutzer etwa 30.000 Mal konsultiert. Aber was macht das mit uns, wie verändert das Smartphone unsere Art zu denken? Untersuchungen deuten darauf hin, dass unser Gehirn sich an die Smartphone-Nutzung anpasst. Die Alleskönner für die Hosentasche führen dazu, dass wir uns weniger konzentrieren, uns weniger merken.

Aber das kann auch Vorteile haben …

Einfluss des Smartphones auf das Gedächtnis

Durch die ständige Verfügbarkeit der multimedialen Rechenkünste eines Smartphones wird das eigene aktive Erinnern weniger gefordert.

Wir müssen in manchen Bereichen selbst weniger denken, etwa wenn wir uns von der Google Maps App navigieren lassen, anstatt den Weg selbst aus dem Gedächtnis abzurufen oder ihn anhand geografischer Punkte zu erschließen. Es ist als naheliegend, dass sich das menschliche Gedächtnis auf diese veränderten Anforderungen einstellt.

Aber wir funktioniert das Gedächtnis überhaupt? Daran, eine Erinnerung langfristig zu speichern, sind verschiedene Prozesse im Gehirn beteiligt.

Zunächst müssen die wichtigen Informationen gespeichert werden. Forscher nennen dies Enkodierung. Wir müssen das, was wir uns merken möchten, wahrnehmen, unsere Aufmerksamkeit darauf richten und verstehen. Die Aufmerksamkeit ist aber begrenzt und kann nicht auf alles um uns herum gerichtet werden. Stattdessen fokussieren wir und konzentrieren uns auf einzelne Aspekte. Dies ist die selektive Aufmerksamkeit. Wir selektieren die Informationen, die gerade wichtig sind. Für andere Dinge steht dann weniger Aufmerksamkeit zur Verfügung.

Dies untersuchte die Psychologin Anna van Cauwenberge beispielsweise mit dem Second-Screen-Effekt.

Secondscreen Infografik

Quelle: http://bestfriend.berlin/themen/der-second-screen/

Sie ließ Studenten Nachrichten schauen und einige richteten den Blick nur auf die Nachrichtensendung, andere sollten sich nebenbei mit dem Smartphone beschäftigen. Diese Probanden konnten hinterher nur wenige Inhalte aus den Nachrichten wiedergeben, da sie ihre Aufmerksamkeit zwischen den Meldungen und dem Smartphone aufteilen mussten und somit weniger Informationen eingespeichert hatten.

Der Abruf aus dem Gedächtnis wird weniger trainiert

Nach der Enkodierung von Gedächtnisinhalten folgte der Abruf, d.h. das Wissen, das Gelernte oder die gespeicherten Informationen müssen irgendwann wieder aus dem Gedächtnis geholt und verwendet werden. Denn um eine Information sinnvoll nutzen zu können, muss sie auch abrufbar sein. Dies ist anstrengend, denn der Abruf ist mit Nachdenken verbunden.

Weil Menschen Anstrengungen gern aus dem Weg gehen, nutzen sie Heuristiken, um sich das Nachdenken einfacher zu machen. Das sind alle Arten von Hilfsmitteln, etwa Eselsbrücken oder das Smartphone, das in manchen Situationen durchaus dabei hilft, Anstrengung zu vermeiden.

Aber wenn wir uns erinnern und uns dabei Mühe geben müssen, uns anstrengen, dann hilft diese Anstrengung auch, Erinnerungen zu festigen und die Informationen langfristig im Gedächtnis zu speichern. Jeder erneute bewusste Abruf festigt die neuronalen Netzwerke und Verbindungen zwischen den Nervenzellen, die am Enkodieren und Abrufen von Wissen beteiligt sind.

Je häufiger wir uns an etwas erinnern, desto leichter fällt es uns bei passender Gelegenheit auch ein.

Das, was wir allerdings nur googeln, vergessen wir häufig wieder. Was oberflächlich gelesen wird, verschwindet rasch aus dem Gedächtnis und Wissen, das wir über die Nutzung des Smartphones erfahren, wird häufig nicht Teil des Langzeitgedächtnisses – denn es kann doch immer wieder so einfach neu im Smartphone nachgeschaut werden.

Das Smartphone lenkt ab

Neben dem Gedächtnis beeinflusst das Smartphone auch unsere Aufmerksamkeit. Denn um eine Aufgabe gut zu bearbeiten und effektiv vorzugehen, muss man ihr Aufmerksamkeit zukommen lassen und sollte sich nur wenig durch andere Dinge ablenken lassen.

Wer etwa im Büro arbeitet und eine Aufgabe am PC löst, wird von jedem ankommenden Anruf wieder aus der Routine gerissen, unterbrochen und muss sich dann neu in die Aufgabe sowie den aktuellen Bearbeitungsstand hineinfinden.

Wenn wir neben unserem Arbeitsplatz ein Smartphone liegen haben, immer wieder den WhatsApp-Status checken oder andere interessante Dinge im Smartphone entdecken, dann lenkt das die Aufmerksamkeit auch immer wieder weg von der eigentlichen Aufgabe, mit der wir uns beschäftigen wollen.

Aufmerksamkeit: Das Smartphone lenkt ab!

Quelle: The Association for Consumer Research

Wenn das Kontingent an Aufmerksamkeit aufgeteilt wird, dann verringert sich die Leistung. Selbst wenn wir uns kontrollieren und nicht neben der Arbeit auf das Smartphoen schauen – so beherrscht es doch mit jeder ankommenden Nachricht und jedem Signalton unsere Gedanken. Immer dann, wenn es sich bemerkbar macht, richten wir kurz unsere Aufmerksamkeit auf das Gerät, selbst wenn wir nicht nachschauen, wer da was geschrieben hat.

Positive Effekte des Smartphones

Natürlich haben Smartphones nicht nur negative Auswirkungen auf unsere geistige Leistungsfähigkeit.

Vielen fällt es generell schwer, sich Aufgaben und Termine zu merken. Diese Informationen müssen im prospektiven Gedächtnis (Gedächtnis für in der Zukunft liegende Dinge) gespeichert werden und weil es nicht in der Natur des Menschen liegt, sich Termine zu merken, habe hiermit nicht wenige Probleme.

Kein Wunder, dass Notizzettel, Kalender und andere Merkhilfen zu den vertrauten Hilfsmitteln in vielen Büros und Wohnungen zählen.

Um sich an Aufgaben und Termine zu erinnern, gibt es aber wohl kaum ein besseres Hilfemittel, als die Erinnerungsfunktion des Smartphones. Zudem machen es Online-Kommunikationsdienste viel leichter, auch über Distanzen in Kontakt zu bleiben, sich abzustimmen und Aufgaben zu koordinieren. Wissensdatenbanken, die wir einfach in der Hosenasche transportieren können, erleichtern das Leben ungemein.

Zudem ist es ein normaler Prozess der menschlichen Entwicklung, sich an neue Herausforderungen anzupassen und damit geht automatisch vergangenes Wissen ein Stück weit verloren.

Wer kann heute noch mit einer Feder schreiben, Sütterlin-Schrift lesen, Seife selbst herstellen oder eigenes Papier schöpfen? Außer einigen Hobby-Kreativen kaum jemand und das nicht ohne Grund, denn all das müssen wir heute nicht mehr selbst können; es wird uns abgenommen.

Vielleicht wird es in Zukunft nicht mehr wichtig sein, sich Termine selbst zu merken oder Wege selbst zu erschließen, sondern zukünftig hat derjenige Erfolg, der mit der multimedialen Technik am besten umgehen kann? Und hierbei hilft die Gewöhnung an das Smartphone definitiv weiter.

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Andrea Augustin

Hallo, ich bin Andrea und blogge bei den smartphonepiloten zu aktuellen Mobilfunktrends und spannenden Angeboten rund ums Telefonieren. Ich entdecke gern Neues und teste innovative Ideen.

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