Kinder-Medien-Studie 2018: Wie Kinder und Jugendliche das Smartphone nutzen

Kinder-Medien-Studie 2018
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Kinder und Jugendliche verbringen viel zu viel Zeit mit dem Smartphone, gehen gar nicht mehr raus und gute Bücher lesen sie auch nicht mehr. So lauten zumindest die Vorurteile einiger Erwachsener. Doch was ist da dran? Das wollte die „Kinder-Medien-Studie 2018“ herausfinden. Sie zeigt: Jedes zweite Kind im Alter von 9 Jahren besitzt bereits ein Smartphone. Zeit zum Lesen und Spielen finden die Kids trotzdem.

Die Kinder-Medien-Studie 2018

Mein erstes Handy bekam ich einst mit 14. Das alte Nokia meines Vaters, ein richtiger Knochen mit Antenne zum Ausziehen.

Meine Eltern fanden es praktisch, dass ich immer erreichbar war und im Notfall Hilfe rufen konnte. Oder mich melden konnte, falls ich mal den Bus verpasste und eine halbe Stunde auf den nächsten warten musste.

Lang, lang ist's her.

Viel mehr als Telefonieren, SMS versenden und Snake spielen konnte ich mit meinem Handy damals nicht. Mit den heutigen Smartphones geht natürlich viel mehr. Sie eröffnen eine Vielzahl von Kommunikationsmöglichkeiten, sind zugleich Fernseher, Radio, Kamera und ständige Verbindung mit dem Internet. So mancher Erwachsener befürchtet da, dass sich Kids in den digitalen Welten verlieren und zu wenig Zeit mit „realen“ Erlebnissen verbringen.

Doch ist das wirklich so? Wie viele Kinder unter 14 Jahren haben heute ein Smartphone, ein Tablet und einen Computer? Und was machen sie mit den Geräten?

Das hat die „Kinder-Medien-Studie 2018“ untersucht.

Kinder-Medien-Studie 2018

Verschiedene Medienhäuser haben 2.649 Kinder zwischen 6 und 13 Jahren nach ihrer Mediennutzung befragt. Auch jeweils ein Erziehungsberechtigter hat Auskunft gegeben und seine Sicht der Dinge geschildert. Zusätzlich kamen in 652 Interviews die Erziehungsberechtigten von 4- bis 5-jährigen Kindern zu Wort.

Jedes zweite Kind im Alter von 9 Jahren hat ein Smartphone

Die Studie zeigt: Jüngere Kinder beschäftigen sich noch mit ganz klassischem Spielzeug. Legosteine, Teddybären, Puppen und das Herumtoben mit Freunden sind für kleine Kinder wesentlich interessanter als Smartphone, Tablet, Computer und Co.

Das verändert sich langsam, je älter die Kinder werden. Von den befragten 6-Jährigen haben 17 Prozent ein Smartphone, 3 Prozent ein Tablet und 4 Prozent einen Computer oder Laptop. Unter den 9-Jährigen besitzt bereits jedes zweite Kind ein eigenes Smartphone. 8 Prozent haben einen Computer oder einen Laptop, 6 Prozent ein Tablet.

Mit 13 Jahren besitzt dann wirklich fast jedes Kind ein eigenes Smartphone. 92 Prozent der 13-Jährigen haben ein Handy. Immerhin 55 Prozent von ihnen besitzen zudem einen Computer oder einen Laptop. Das Tablet ist weniger weit verbreitet, nur 26 Prozent der 13-Jährigen besitzen eines.

Den Kids ist es durchaus wichtig, digital gut ausgestattet zu sein. 41 Prozent der 6- bis 13-Jährigen wünschen sich ein Handy oder Smartphone, 32 Prozent möchten ein Tablet haben.

Die klassische Aufteilung der Medien verschwindet

Fernsehen, was die Programmdirektoren einem vorgeben? Zur Prime Time um 20:15 Uhr? Darauf haben immer weniger Menschen Lust.

Warum solltest Du Dich auch den Vorgaben des Fernsehprogramms unterwerfen, wenn Du Dir mit Netflix oder Amazon Video Dein eigenes Programm zusammenstellen kannst? Die Musik steuern Streamingdienste wie Spotify bei, interessante Artikel liefern die Online-Ausgaben von Zeitschriften und Magazinen.

Kinder halten es da nicht viel anders als ihre Eltern. Die klassische Unterteilung der Medien in Fernsehen, Radio und Zeitschriften verliert auch für die junge Zielgruppe an Bedeutung.

Viele ganz junge Kinder nutzen noch klassische Medien. 60 Prozent von ihnen hören zum Beispiel Musik oder Hörspiele auf CD.

Gut 87 Prozent aller Kinder gucken zudem Serien, Filme und Sendungen im Fernsehen. Mehr als 35 Prozent aller 13-Jährigen nutzen aber auch kostenlose Videodienste wie YouTube und Vimeo mehrmals in der Woche. Je älter die Kids werden, umso mehr lösen Streamingdienste die klassischen Medien ab.

Bücher und Zeitschriften sind nach wie vor beliebt

Wie ist es nun um das Leseverhalten der Kids bestellt? Beschäftigen sie sich wirklich nur noch mit dem Smartphone und haben kein Interesse mehr an Büchern?

Mitnichten! Auch Kinder mit eigenem Smartphone können richtige Leseratten sein. 70 Prozent von ihnen lesen mehrmals pro Woche Bücher und Zeitschriften. Und zwar nicht auf dem E-Reader oder dem Smartphone, sondern klassisch auf Papier. E-Reader spielen für die Zielgruppe der 4- bis 13-Jährigen tatsächlich gar keine Rolle.

Wie kommunizieren Kinder am liebsten?

Das Smartphone bietet eine Vielzahl von Kommunikationsmöglichkeiten. Wie nutzen die 6- bis 13-Jährigen ihr Smartphone, um sich mit Freunden und Familie zu unterhalten?

Wie nutzen Kinder in Deutschland das Smartphone?

Unter den 6- bis 9-Jährigen liegen klassische Telefongespräche ganz klar auf Platz 1. Gut 88 Prozent von ihnen nutzen das Smartphone zum Telefonieren.

42 Prozent der 6- bis 9-Jährigen schreiben Textnachrichten, 20 Prozent verschicken Sprachnachrichten.

Bilder und Statusmitteilungen in den sozialen Medien posten nur 16 Prozent der 6- bis 9-jährigen. Dafür schreiben 43 Prozent von ihnen noch Briefe und Postkarten.

Von den 10- bis 13-Jährigen nutzen sogar 97 Prozent das Smartphone zum Telefonieren. Mit dem Beginn der Pubertät sind eben tatsächlich viele Kids kaum mehr vom Telefon zu lösen. 90 Prozent dieser Altersgruppe schreiben Textnachrichten, 70 Prozent verschicken Sprachnachrichten.

In den sozialen Medien sind die älteren Kids auch schon recht aktiv, 65 Prozent von ihnen posten Bilder und Status-Updates. Doch fast die Hälfte (49 Prozent) der 10- bis 13-Jährigen schreibt auch noch Briefe und Postkarten.

Welche Social Media-Apps nutzen Kids?

Wenn Kinder älter werden, interessieren sie sich meist auch für soziale Medien. Aber welche Social Media-Apps stehen bei Kindern unter 14 hoch im Kurs? Diese Frage hat die Kinder-Medien-Studie 2018 abermals getrennt nach Altersgruppen untersucht.

Die Ergebnisse für Kinder zwischen 6 und 9 Jahren:

  • WhatsApp: 21 Prozent
  • Facebook: 4 Prozent
  • Skype: 3 Prozent
  • Instagram: 1 Prozent
  • Snapchat: 2 Prozent
  • Facetime: kein Kind dieser Altersgruppe nutzt Facetime

Von den 10 bis 13-jährigen nutzen schon deutlich mehr Kids Social Media-Apps. Bei der Beliebtheit der einzelnen Applikationen verhält es sich jedoch ähnlich wie bei den jüngeren Kindern:

  • WhatsApp: 74 Prozent
  • Facebook: 31 Prozent
  • Instagram: 17 Prozent
  • Snapchat: 16 Prozent
  • Skype: 15 Prozent
  • Facetime: 5 Prozent

Welche weiteren Interessen haben Kinder?

Nein, Kinder interessieren sich keineswegs nur für Smartphone, Computer und Social Media.

Die Interessen der unter 14-jährigen sind heute noch so breit gefächert wie vor einigen Jahren. Bei den jüngeren Kindern unterscheiden sich viele Interessen noch deutlich nach Geschlecht. Mädchen mögen Pferde und Haustiere sowie Prinzessinnen, Jungen interessieren sich für Sport und Autos und für Superhelden.

Mit zunehmendem Alter gleichen sich auch die Interessen an. 11-jährige Mädchen und Jungs finden die Themen Natur und Umwelt spannend und interessieren sich für Reisen in andere Länder. Mehr als jedes Dritte Mädchen interessiert sich außerdem für Fußball oder andere Sportarten.

Wer steht hinter der Kinder-Medien-Studie 2018?

Die Kinder-Medien-Studie 2018 ist eine Untersuchung im Auftrag von sechs Medienhäusern:

  • ZEIT Verlag
  • SPIEGEL Verlag
  • Panini Verlags GmbH
  • Gruner und Jahr
  • Egmont Ehapa Media GmbH
  • Blue Ocean Entertainment AG

Die Krämer Marktforschung GmbH in Münster und die Marplan Media- und Sozialforschungsgesellschaft mbH in Offenbach am Main führten die repräsentative Befragung zwischen dem 12. Februar bis 2. April 2018 durch.

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Simone Gerdesmeier

Simone Gerdesmeier ist als freie Journalistin und ausgewiesene Mobilfunk-Expertin seit mehr als drei Jahren ein fester Bestandteil der smartphonepiloten-Redaktion.

Sie beschäftigt sich mit Themen wie Digital Lifestyle, aktuellen Tarifchecks sowie die Toplisten der Apps, die Du kennen musst.

Themen wie Gesundheit, Fitness und Ernährung haben es ihr besonders angetan und daher versuchen wir, den Spagat zwischen diesen Bereichen und der Welt des Mobilfunks hier zu meistern

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