LTE-Versorgung: Deutschland liegt hinter Holland, Frankreich und Albanien

LTE-Studie Europa
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Die LTE-Versorgung in Deutschland ist schlechter als in fast allen anderen europäischen Staaten. Sogar Albanien hängt die deutschen Netzbetreiber ab. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie im Auftrag der Grünen Bundestagsfraktion.

Warum hinkt Deutschland beim Ausbau des LTE-Netzes hinterher? Und was will die Bundesregierung dagegen tun?

LTE-Studie: Holland vorn, Deutschland auf dem drittletzten Platz

Ups, ein Funkloch: Was Smartphone-Nutzer aus unseren Nachbarländern kaum kennen, ärgert in Deutschland vor allem Menschen auf dem Land. Schnelle Datenverbindungen über LTE sind in vielen ländlichen Gebieten immer noch Fehlanzeige. Wer auf dem Land wohnt, kann sich auch kaum Hoffnungen auf eine rasche Versorgung mit dem neuen 5G-Standard machen.

In Holland sieht das ganz anders aus. Sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland ist die Deutsche Telekom der größte Netzbetreiber. Während die Telekom NL es allerdings auf eine 4G-Netzabdeckung von 90,6 Prozent bringt, erreicht der Mutterkonzern in Deutschland gerade einmal 75 Prozent. Vodafone und Telefónica schneiden in Deutschland noch schlechter ab.

Im europäischen Vergleich erreicht die LTE-Abdeckung Deutschland insgesamt nur den drittletzten Platz, hinter Ländern wie Frankreich, Dänemark und auch Albanien.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Aachener P3 Group (zur Studie). Die Bundestagsfraktion der Grünen hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben, um die LTE-Abdeckung in verschiedenen europäischen Staaten gegenüberzustellen.

Von Juli bis September hat die P3 Group Daten von fünf Millionen Smartphone-Nutzern aus ganz Europa gesammelt und ausgewertet.

Die dafür nötige Software kam mit Hilfe von rund 800 weltweit verfügbaren Apps auf die Smartphones. Mit der Software lässt sich die Netzabdeckung auswerten, die Daten lassen sich laut P3 Group aber keinen einzelnen Personen zuordnen. So bleibt alles datenschutzkonform.

Deutliche Unterschiede zwischen den Netzbetreibern

Die Studienergebnisse fallen für deutsche Netzbetreiber ernüchternd aus. Sie bleiben weit hinter der Konkurrenz aus anderen europäischen Staaten zurück.

LTE Verfügbarkeit in Europa im Vergleich

Den ersten Platz in der Kategorie LTE-Netzabdeckung sichert sich Tele2 aus den Niederlanden. Das Unternehmen erreicht eine Netzabdeckung von 95,2 Prozent. Auf Platz 2 folgt Mobistar aus Belgien mit einer Netzabdeckung von 93,9 Prozent. Der Schweizer Netzbetreiber Swisscom bringt es auf eine LTE-Abdeckung von 91,5 Prozent und sichert sich damit Platz 3.

Bester deutscher Netzbetreiber ist die Telekom mit einer LTE-Abdeckung von 75,1 Prozent. Vodafone erreicht nur 56,7 Prozent, Telefónica nur 46,8 Prozent LTE-Abdeckung. Nur ein Anbieter aus Frankreich und ein albanisches Telekommunikationsunternehmen sind noch schlechter.

Deutschland liegt auch bei der Datengeschwindigkeit hinten

Neben der Netzabdeckung lässt auch die mittlere Datenrate der drei deutschen Mobilfunknetzbetreiber zu wünschen übrig. Vorn liegen hier die drei Schweizer Anbieter Sunrise, Swisscom und Sali. Sie erreichen Datenraten von 9,4 bis 10,5 MBit/s. Die albanische Telekom und Vodafone Albania bringen es auf mittlere Datenraten von 9,4 und 8,7 MBit/s.

LTE mittlere Datenrate in Europa im Vergleich

Bester deutscher Anbieter ist abermals die Deutsche Telekom. Mit einer Datenrate von 4,9 MBit/s liegt sie allerdings nur auf dem viertletzten Platz. Vodafone folgt mit einer Datenrate von 4,8 MBit/s. Telefónica bildet mit 4,1 MBit/s das Schlusslicht im europäischen Vergleich.

Schwache Spitzendatenraten der deutschen Anbieter

Nicht viel anders sieht es im Vergleich der Spitzendatenraten aus. Als klarer Sieger stellt sich die Swisscom heraus. Die Spitzendatenrate liegt bei 100,3 MBit/s. Der Schweizer Konkurrent Sunrise bringt es auf 82,2 MBit/s, der österreichische Anbieter Three auf 75,7 MBit/s.

LTE Spitzendatenrate in Europa im Vergleich

Die maximale LTE-Datenrate der Deutschen Telekom erscheint dagegen recht mager. 37,4 MBit/s reichen nur für Platz 25 von 32 Anbietern. Vodafone liegt mit 33,4 MBit/s auf Platz 28, die Telefónica folgt direkt dahinter mit 33,1 MBit/s.

Warum schneiden deutsche Mobilfunkanbieter so schlecht ab?

Woran liegt es, dass die LTE-Abdeckung in Deutschland so schlecht ist? Die Gründe sind vor allem finanzieller Natur. Wer in den Ausbau der Mobilfunk-Infrastruktur investieren möchte, muss in Deutschland nämlich vergleichsweise viel Geld in die Hand nehmen.

Mobilfunkbetreiber müssen in Deutschland Lizenzen von der Bundesregierung erwerben. Das kostet Milliarden. Dieses Geld fehlt, um es in den Netzausbau zu investieren. So konzentrieren sich die Anbieter auf den Ausbau in Ballungsgebieten. Kleinstädte und Gemeinden auf dem Land müssen zurückstecken.

Roaming könnte Abhilfe schaffen – doch Netzbetreiber lehnen ab

Die P3 Group schlägt vor, Mobilfunk-Lizenzen nicht mehr für Milliardensummen zu versteigern. Stattdessen sollen die Bundesregierung sie günstiger, dafür aber mit strengen Auflagen vergeben.

Die Grünen fordern derweil mehr National Roaming: Anbieter sollen auch die Funkmasten anderer Netzbetreiber nutzen können, Vodafone etwa über die Masten der Telekom senden. Bislang funktioniert National Roaming nur zwischen den Netzen von o2 und E-Plus, die beide zur Telefónica gehören.

Die Betreiber der Masten lehnen die Roaming-Lösung allerdings strikt ab. Die Telekom befürchtet beispielsweise, dass diese Maßnahme Unternehmen bevorzugt, die kaum in den Ausbau ihres eigenen Netzes investiert haben.

Maßnahme gegen Funklöcher: CSU will staatliche Infrastruktur errichten lassen

Die Bundesregierung hat bislang noch nicht verlauten lassen, dass sie das Vergabeverfahren für Mobilfunklizenzen ändern möchte. Die Lizenzen für das 5G-Netz sollen die Netzbetreiber in 2019 genauso ersteigern wie zuvor auch.

Die CSU hat die Mobilfunkversorgung derweil zum Thema ihrer Winterklausur vom 3. bis zum 5. Januar gemacht. In einer Beschlussvorlage fordert die Partei eine staatliche Infrastrukturgesellschaft zu errichten.

Das Papier liegt der Süddeutschen Zeitung vor.

Demnach soll überall dort, wo private Mobilfunkbetreiber keine funktionierende Versorgung sicherstellen können, der Staat einspringen und eigene Mobilfunkmasten aufstellen. Die CSU möchte Mobilfunkbetreiber dann mit einer Anschlussverpflichtung belegen. Um die staatliche Infrastruktur zu finanzieren, sollen die Netzbetreiber Gebühren für die Nutzung der Funkmasten entrichten.

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Simone Gerdesmeier

Simone Gerdesmeier ist als freie Journalistin und ausgewiesene Mobilfunk-Expertin seit mehr als drei Jahren ein fester Bestandteil der smartphonepiloten-Redaktion.

Sie beschäftigt sich mit Themen wie Digital Lifestyle, aktuellen Tarifchecks sowie die Toplisten der Apps, die Du kennen musst.

Themen wie Gesundheit, Fitness und Ernährung haben es ihr besonders angetan und daher versuchen wir, den Spagat zwischen diesen Bereichen und der Welt des Mobilfunks hier zu meistern

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