Corona-Warn-App: Wie funktioniert die App der Bundesregierung?

Was Du über die Corona-Warn-App der Bundesregierung wissen solltest

Was Du über die Corona-Warn-App der Bundesregierung wissen solltest
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Die Corona-Warn-App: Wie funktioniert sie, welche Daten erhebt sie, wie sicher ist sie und warum Du sie nutzen solltest um nicht nur Dich, sondern auch andere zu schützen.

Was Du über die Corona-Warn-App wissen solltest

Solltest Du die Corona-Warn-App der Bundesregierung auf Deinem Smartphone installieren?

Zwar gehen die Corona-Fallzahlen in Deutschland zurück, vorbei ist die Pandemie allerdings noch nicht. Um die Ausbreitung des Virus besser kontrollieren zu können, bringt die Bundesregierung nun eine Corona-Warn-App an den Start. Wie funktioniert die App? Musst Du sie herunterladen oder steht Dir die Nutzung frei? Hier erfährst Du, was Du über die Corona-App wissen musst.

Ist die Corona-App bereits erhältlich?

Corona-Warn-AppEigentlich wollte die Bundesregierung die Corona-Warn-App bereit im April 2020 zum Download anbieten. In anderen EU-Ländern gibt es ähnliche Apps schon länger. Unter anderem Datenschutzbedenken führten jedoch dazu, dass sich die Einführung der App in Deutschland verzögerte.

Die Corona-Warn-App kann offiziell seit dem 17. Juni 2020 aus den jeweiligen App Stores heruntergeladen werden.

Mit Hilfe der App sollen sich Infektionsketten schneller erkennen und zurückverfolgen lassen. Programmiert haben sie die Deutsche Telekom und SAP, außerdem waren das Fraunhofer-Institut, das Helmholtz-Institut und das Robert-Koch-Institut (RKI) an der Entwicklung beteiligt. Das RKI veröffentlicht die Anwendung auch.

Den Quellcode haben Telekom und SAP im Internet zugänglich gemacht. Auf diese Weise wollen die Bundesregierung und die Technologieunternehmen für die nötige Transparenz sorgen.

Nur 42 Prozent der Deutschen wollen die App nutzen

In der Bevölkerung herrscht allerdings noch Skepsis. In einer Umfrage zum ARD-Deutschlandtrend Anfang Juni gaben nur 42 Prozent der Befragten an, die App nutzen zu wollen.

  • 39 Prozent der Befragten möchten die App nicht verwenden
  • 45 Prozent davon äußern Datenschutzbedenken
  • 13 Prozent denken, die App funktioniere nicht, oder halten andere Maßnahmen für besser geeignet, die Ausbreitung des Virus einzuschränken

Weitere 16 Prozent der Teilnehmer besitzen laut eigenen Angaben kein Handy oder Smartphone und können die App überhaupt nicht herunterladen.

Wie funktioniert die Corona-App?

China und Israel setzen bereits Tracking-Apps ein, um Infektionsketten zu verfolgen. Tracking-Apps legen Bewegungsprofile der Nutzer an. Die deutsche Corona-App setzt dagegen auf sogenanntes Contact Tracing. Mittels Bluetooth Low Energy misst sie, wenn sich zwei Menschen für mindestens 15 Minuten näher als zwei Meter kommen.

Die Logik dahinter: COVID-19 wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Das Risiko einer Ansteckung steigt, wenn Du Dich über längere Zeit hinweg in direkter Nähe einer infizierten Person aufhältst.

Zur späteren Nachverfolgung speichert die App für jede Person eine anonymisierte Kennnummer. Die Speicherung erfolgt lokal auf dem Smartphone. Namen, Telefonnummern oder weitere personenbezogene Daten speichert die App nicht.

Keine Speicherung personenbezogener Daten

Fällt ein Corona-Test für einen Nutzer positiv aus, kann er über die App anonym alle Personen informieren, mit denen er in den letzten zwei Wochen Kontakt hatte. Um Falschmeldungen zu vermeiden, funktioniert das nur mittels eines Codes, den infizierte Personen nach einem positiven Test vom Gesundheitsamt erhalten.

Die App sendet den betroffenen Personen daraufhin eine Push-Nachricht. Die anderen Nutzer erfahren dabei nicht, welcher ihrer Kontakte sich mit dem Virus angesteckt hat. Die App informiert sie lediglich, an welchem Tag der Kontakt stattgefunden hat, nennt aber nicht die genaue Uhrzeit.

Kontaktpersonen sind nun gewarnt und können sich vorsichtshalber in Quarantäne begeben.

Die vier Risiko-Faktoren

Nicht jeder, der mit einem Corona-Erkrankten spricht, steckt sich auch gleich an. Das Robert-Koch-Institut hat vier Risiko-Faktoren festgelegt, anhand derer die Corona-App ein mögliches Ansteckungsrisiko berechnet:Infizierte Person

  1. Days Since Exposure: Wie lange ist es her, seitdem ein Nutzer der App Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte? Je länger das Treffen zurückliegt, umso geringer ist das Risiko, sich angesteckt zu haben.
  2. Exposure Duration: Wie lange dauerte der Kontakt zum Erkrankten? Ein besonders hohes Ansteckungsrisiko gilt aber einer Dauer von 30 Minuten.
  3. Signal Attenuation: Wie nahe sind sich die Personen gekommen? Das schätzt die App mittels des Bluetooth-Signals.
  4. Transmission Risk Factor: Welches Übertragungsrisiko bestand beim Kontakt mit dem Erkrankten? Dieser Wert beruht auf einer Schätzung.

 

Jeder dieser vier Risiko-Faktoren erhält einen Wert von 0 bis 8. Die App multipliziert diese Werte und errechnet daraus den sogenannten „Risk Score“. Überschreitet der Risk Score den vom RKI vorgegebenen Wert, informiert die App die Kontakte der an Corona erkrankten Person.

Musst Du Dir die Corona-App herunterladen?

Die Corona-App soll den Gesundheitsämtern die Arbeit erleichtern und Kontaktpersonen schneller informieren. Bislang müssen Personen, die sich nachweislich mit COVID-19 infiziert haben, bei den Gesundheitsämtern angeben, mit wem sie in den vergangenen 14 Tagen Kontakt hatten. Das lässt sich aber nicht immer so einfach nachvollziehen. Wer hat schon die Kontaktdaten von den Personen, die zufällig neben einem in der U-Bahn saßen?

Wer die App herunterlädt, kann sich und andere besser vor einer Ansteckung schützen. Es besteht allerdings keine Pflicht, die Corona-Warn-App auf dem Smartphone zu installieren. Ob Du die App nutzt oder nicht, bleibt allein Dir überlassen.

Je mehr Menschen die App nutzen, umso zuverlässiger lassen sich allerdings Infektionswege nachvollziehen. Je schneller Personen erfahren, dass sie sich möglicherweise angesteckt haben, umso schneller können sie sich auch in Quarantäne begeben. So sollen sich weitere Infektionen verhindern und das Virus eindämmen lassen.

Hier geht es zur Corona-Warn-App:

Apple

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Preis: Kostenlos

Android

Corona-Warn-App
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Wie ist es um den Datenschutz bestellt?

Datenschutz war ein wichtiges Thema bei der Diskussion um die Corona-App. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber (SPD) hat die Entwicklung der App begleitet. Auch nach dem Start soll er darauf achten, dass die Privatsphäre der Nutzer gewahrt bleibt.

Die folgenden Maßnahmen sollen einen möglichst umfassenden Schutz Deiner Daten sicherstellen:

  • Die App speichert keine personenbezogenen Daten. Stattdessen generiert sie pseudonymisierte Krypto-Schlüssel für jeden Kontakt, die sich mehrmals in der Stunde ändern.Corona-Warn-App Datenschutz
  • Entwickler und Betreiber der App erfahren nicht, wer sich hinter einer solchen ID verbirgt.
  • Über die App lässt sich nicht nachvollziehen, wo sich Nutzer aufhalten.
  • Die Datenspeicherung erfolgt lokal auf dem Smartphone des jeweiligen Nutzers in einer Art Kontakttagebuch.
  • Die App löscht das Kontakttagebuch mit allen IDs automatisch nach zwei Wochen.
  • Die App verbindet sich nur einmal am Tag mit einem zentralen Server. Von dort ruft sie die IDs von Smartphones ab, deren Besitzer sich als infiziert gemeldet haben.
  • Die App fragt Nutzer ausdrücklich, ob sie ein positives Testergebnis mit ihren Kontakten teilen wollen.
  • Du kannst das Tracing auf Wunsch jederzeit pausieren.

Mit welchen Smartphones funktioniert die Corona-App?

Die Corona-App funktioniert nicht auf jedem Smartphone. Handys müssen gewisse technische Grundvoraussetzungen erfüllen. Besitzt Du ein älteres Smartphones, kannst Du die App eventuell gar nicht installieren.

Auf folgenden Smartphones lässt sich die App nutzen:

  • iPhones ab iOS-Version 13.5
  • Android-Geräte ab Android-Version 6

Auf einem iPhone musst Du zusätzlich noch die Bluetooth-Funktion sowie die Datenschutzeinstellungen aktivieren, damit die App auf Bluetooth Low Energy zugreifen kann.

Auf Android-Smartphones müssen zudem die Google Play Services laufen. Der chinesische Handy-Hersteller Huawei darf diese Services aufgrund des Handelsstreits zwischen China und den USA auf seinen neuesten Smartphones nicht mehr anbieten. Huawei stellt jedoch eine eigene Schnittstelle zur Verfügung, Contact Shield API genannt.

Einschränkungen der Corona-App

Die Corona-Warn-App soll einen wichtigen Beitrag dazu leisten, COVID-19 einzudämmen. 100%-tige Sicherheit bietet sie jedoch nicht. Dafür bestehen zu viele Einschränkungen:

  • Nicht jeder kann oder möchte die App nutzen. Allein dadurch entstehen Lücken in der Nachverfolgungskette.
  • Die App liefert lediglich Näherungswerte für ein Ansteckungsrisiko. So kann sie über Bluetooth Low Energy den Abstand zwischen zwei Menschen lediglich schätzen, aber nicht genau angeben.
  • Genauso wenig kann die App sagen, ob sie die Kontaktpersonen drinnen oder draußen aufhalten, ob sie eine Maske tragen oder ob sich eine Glasscheibe zwischen den Personen befindet.
  • Damit die App zuverlässig funktioniert, müssen Nutzer ihr Smartphone immer dabei und eingeschaltet haben. Zudem müssen sie daran denken, Bluetooth zu aktivieren.
  • Nutzer erfahren nur, dass sich eine Kontaktperson infiziert hat, wenn diese das auch in die App eingibt. Eventuell installiert jemand die App, gibt ein positives Testergebnis aber nicht ein. Die Kontaktpersonen erfahren dann frühestens vom Gesundheitsamt über eine mögliche Ansteckungsgefahr.
  • Eine Kontaktverfolgung über Staatengrenzen hinweg ermöglicht die App nicht. Dafür sind die technischen Ansätze in den einzelnen Ländern zu unterschiedlich.

Fazit zur Corona-App

Letztlich muss jeder für sich selbst abwägen, für wie sinnvoll er die Corona-Warn-App hält und ob er sie installieren möchte. Ein Ersatz für geltende Abstandsregeln, das Tragen von Mund-Nasen-Schutz und eine gründliche Handhygiene ist sie nicht.

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Jannik Degner

Jannik Degner ist der Gründer der smartphonepiloten. Er schreibt und berichtet hier zu aktuellen Themen aus der Welt des Mobilfunks - vom Ratgeber mit hilfreichen Tipps & Tricks über Tarifübersichten mit den besten Angeboten bist zu brandheißen Deals.

Als freier, hauptberuflicher Journalist sowie Mitglied im Deutschen Journalisten Verband Schleswig-Holstein (DJV) arbeitet er mit dem Schwerpunkt Mobilfunk, Telekommunikation, Technik und Smartphones. Er berät, schreibt und berichtet bei den smartphonepiloten von seinen beruflichen wie privaten Erfahrungen mit verschiedenen deutschen Mobilfunkunternehmen und hilft bei Problemen.

Seit 2012 hat er sich der Welt des Mobilfunks verschrieben und interessiert sich für Mobilfunkstandards, Handytarife, aktuelle Smartphones, Technik-Gadgets, den digitalen Lifestyle und das vernetzte Zuhause.

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Android oder iOS?

iOS seit ich denken kann. :) Eingestiegen mit dem iPod touch im Jahr 2007, dann hin zum ersten iPhone und schließlich nahezu jede Generation des iPhone mitgenommen.

Dein aktuelles Smartphone?

Derzeit nutze ich ein iPhone XR und ein iPhone X. Im Rahmen von Testberichten aber auch gern mal verschiedene andere Smartphones.

Dein aktueller Handytarife?

Ich verwende aktuell den MagentaMobil M der vorherigen Generation mit 6 GB Datenvolumen, Allnet Flat, SMS Flat und StreamOn.

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