Fairphone und Shiftphone: 2 erstaunliche Alternativen zu herkömmlichen Smartphones

Faire Smartphones
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Wie fair ist eigentlich Dein Smartphone? Rund 60 verschiedene Rohstoffe stecken in einem Handy. Viele davon aus nicht nachwachsenden Quellen und gewonnen in Krisengebieten. Bei der Produktion herrschen ebenfalls selten faire Bedingungen. Einige junge Start-ups haben es sich zum Ziel gemacht, das zu ändern. Hier stelle ich Dir das Fairphone und das Shiftphone vor.

Langlebig, umweltfreundlich, nachhaltig: Wie fair sind faire Smartphones?

Warum überhaupt nachhaltige Smartphones?

Worauf achtest Du, wenn Du ein Smartphone kaufst? Hast Du eine Lieblingsmarke, der Du seit Jahren treu bist? Überzeugt Dich ein schickes Design? Regt Dich die Kamera zum Kauf an, möglichst viel Speicherplatz oder eine starke Performance? Oder interessierst Du Dich auch für die Produktionsbedingungen?

Warum solltest Du überhaupt Wert auf Smartphones aus nachhaltiger Produktion legen? Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Zum Einen entwickeln Smartphones sich immer mehr zu Wegwerfgeräten: Ist ein Teil kaputt, muss das ganze Gerät entsorgt werden.

Zum Anderen enthalten Smartphones seltene Rohstoffe, die häufig aus Krisengebieten stammen. Noch dazu werden sie vielfach unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen produziert.

Smartphones werden kleiner – und weniger umweltfreundlich

Bei vielen Smartphones lässt sich heute nicht einmal mehr der Akku austauschen. Ein Ärgernis für den Verbraucher: Ist der Akku defekt, muss das Gerät gleich in Reparatur. Können Nutzer Einzelteile nicht mehr selbst austauschen, verkürzt dies zudem die Lebensdauer des Geräts. Smartphones landen schneller im Müll.

Das ist aber nur ein Problem. Eine weitere Herausforderung zeigt sich beim Recycling: Moderne Smartphones sind extrem dünn und verlangen nach sehr kleinen Bauteilen. Die machen das Recycling zunehmend problematischer.

Um Platz zu sparen, verkleben die Hersteller die Bauteile miteinander. Dadurch lassen sie sich aber kaum trennen. Das macht es schwieriger, einzelne Rohstoffe weiterzuverwenden.

Umweltschädlicher Abbau wertvoller Rohstoffe

In einem Smartphone stecken zahlreiche wertvolle und seltene Rohstoffe. Etwa 60 verschiedene Materialien benötigt die Herstellung eines einzelnen Handys. Bei mehr als der Hälfte davon handelt es sich um Metalle.

Die Kontakte bestehen aus Gold, für die Lötstellen braucht man Zinn, für den Akku Lithium. Tantal steckt in den Kondensatoren, Kobalt, Gallium und Seltene Erden in weiteren Bestandteilen.

Umweltverschmutzung bei Smartphone Herstellung

Die „schmutzige“ Seite der Smartphone-Industrie. Der Abbau von Rohstoffen für die Produktion ist nicht gerade nachhaltig.

Diese Stoffe zu gewinnen, kostet viel Energie. Für den Abbau kommen giftige Chemikalien zum Einsatz, die oft ganze Ökosysteme zerstören.

Zudem stammen die Rohstoffe aus nicht erneuerbaren Quellen. Einmal abgebaut, sind sie unwiederbringlich verschwunden. Gerade daher wäre es so wichtig, sie aus Altgeräten recyceln und für neue Handys wiederverwenden zu können.

Ausbeuterische Arbeitsverhältnisse

Für die Smartphone-Herstellung benötigte Rohstoffe stammen zumeist aus Schwellen- und Entwicklungsländern, häufig aus Afrika. Dort werden sie oft unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen abgebaut.

Amnesty International kritisierte zum Beispiel Anfang 2016, dass im Kongo bereits Kinder ab 7 Jahren unter teils lebensgefährlichen Bedingungen bei der Gewinnung von Kobalt mitarbeiten müssen.  Aus dem Kongo stammt mehr als die Hälfte des weltweit verarbeiteten Kobalts, der dort abgebaute Rohstoff findet sich auch in vielen Smartphones.

In den Ländern, in denen die Smartphones zusammengebaut werden, sind Arbeitsschutz und humane Arbeitsbedingungen ebenfalls oft Fehlanzeige. Die eigentliche Produktion erfolgt meist in China. Arbeitszeiten von 90 Wochenstunden und niedrige Löhne sind dort die Norm. Faire Löhne erhalten die Arbeiter in den seltensten Fällen.

Die Alternative: Nachhaltige Smartphones

Wie umweltfreundlich und fair gehandelt kann ein Smartphone also sein? Komplett fair geht es nicht, da alle Smartphone-Produzenten auf nicht erneuerbare Rohstoffe aus Schwellen- und Entwicklungsländern zurückgreifen müssen.

Es gibt jedoch Hersteller, die sich um faire Arbeitsbedingungen und mehr Nachhaltigkeit bemühen. Groß ist die Auswahl derzeit noch nicht. Bis jetzt hast Du zwei Alternativen:

  • das Fairphone aus den Niederlanden
  • das Shiftphone aus Hessen

Schauen wir uns die beiden fairen Smartphones einmal an.

Das Fairphone: Modulares Smartphone aus den Niederlanden

Fairphone

Ein Beispiel für einen Smartphone-Hersteller mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist die niederländische Firma Fairphone. Aufgrund ihrer modularen Bauweise sind die Fairphones besonders langlebig. Geht ein Teil kaputt, lässt sich einfach das entsprechende Modul austauschen. Willst Du die Bauteile selber reparieren, findest Du zahlreiche kostenfreie Tutorials im Internet.

Das erste Fairphone kam 2013 auf den Markt. Zwei Jahre später erschien das Fairphone 2, von dem die niederländische Firma immerhin 17.000 Stück verkaufen könnte.

Das Fairphone 2 wurde mit dem Blauen Engel für emissionsfreie und recyclinggerechte Herstellung ausgezeichnet.

Robuste Verarbeitung

Das Fairphone 2 besteht aus sechs Modulen. Von der Batterie bis zum Audio Jack sollen sich alle Module ganz einfach austauschen lassen. Fairphone verspricht zum Beispiel, dass Du das Display in rund einer Minute selbst wechseln kannst.

Alles, was Du für die Reparatur brauchst, ist ein Schraubendreher. Anleitungen gibt es wie beschrieben im Internet. Die Ersatzteile erhältst Du über den Fairphone-Shop.

Alte Geräte nimmt Fairphone zurück und will sich darum kümmern, diese umweltschonend zu entsorgen oder wiederzuverwerten.

Materialien aus fairem Handel

Laut eigenen Angaben bezieht Fairphone die für die Herstellung des Smartphones nötigen Rohstoffe nicht aus Krisengebieten. Zugleich möchte das Unternehmen den fairen Handel mit afrikanischen Ländern unterstützen. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Initiativen fördert das Unternehmen zum Beispiel den Bergbau im Kongo.

Faire Arbeitsbedingungen

Etwas überraschend für ein Smartphone, das mit fairen Produktionsbedingungen wirbt: Die Niederländer produzieren nicht im eigenen Land, sondern in China.

Fairphone versichert allerdings, dass die Partnerbetriebe verbesserte Arbeitsbedingungen und höhere Löhne für die Arbeiter bieten. Das Ziel von Fairphone besteht darin, die Bedingungen für die Mitarbeiter weiter zu verbessern, ihr Engagement zu fördern und zu mehr Transparenz der Partnerunternehmen beizutragen.

Um diese Ziele durchzusetzen, kooperiert Fairphone mit der NGO TAOS.

Fairphone setzt auf Transparenz

Eine transparente Produktion gehört zu den weiteren Leitlinien von Fairphone. Das Unternehmen legt alle Kosten für Herstellung, Steuern und Investitionen offen. Zudem kannst Du nachlesen, wie viel Gewinn die Firma pro Gerät macht.

Ebenso transparent machen die Niederländer ihre Zuliefererkette zugänglich. Interessierst Du Dich für die Lieferanten, kannst Du eine zehnseitige Liste mit Namen und Adressen herunterladen.

Die technische Ausstattung des Fairphone 2

Zugegeben: Ein Design-Highlight ist das Fairphone 2 nicht. Durch den modularen Aufbau ist es relativ dick. Auch die Performance kann nicht ganz mit den aktuellen Flaggschiffen herkömmlicher Hersteller mithalten.

Dafür bekommst Du ein Smartphone aus vergleichsweise fairer Produktion. Das bietet:

  • 5 Zoll Full HD-Display mit 1080 x 1920 px Auflösung, 446 ppi, geschützt mit Gorilla Glass
  • einen Snapdragon(TM) 801 Prozessor mit vier Kernen und 2 GB RAM
  • 32 GB internen Speicher, mit microSD erweiterbar auf 64 GB
  • eine 8 MP Hauptkamera
  • eine 2 MP Front-Kamera

Das Dual-SIM-Smartphone läuft mit Android 6.0 Marshmallow. Besitzer eines älteren Fairphone 2 sollen bald ein Update auf Android 6.0 erhalten.

Was kostet das Fairphone 2 und wo bekommst Du es?

Das Fairphone 2 mit Android 6.0 kannst Du von Deutschland aus über den Fairphone-Shop vorbestellen. Es kostet 520,63 €.

Außerdem bekommst Du das Smartphone in mobilcom debitel-shops und weiteren ausgewählten Handy-Shops.

Ersatzteile kannst Du ebenfalls ganz einfach über den Fairphone-Shop nachbestellen. Die Batterie gibt es für knapp 20 €, das Display-Modul für rund 70 €. Ein Lautsprecher ist schon für 1,18 € zu haben.

Das Shiftphone: Faires Smartphone aus Hessen

Shiftphone

Eine Alternative zum niederländischen Fairphone ist das Shiftphone. Die SHIFT GmbH hat ihren Sitz in Hessen, in Falkenberg in der Nähe von Kassel. Das Unternehmen gibt es seit 2014. Rund 14.000 Geräte gingen bereits über die Ladentheke.

Mittlerweile gibt es neben Smartphones mit 4- und 5 Zoll-Bildschirm auch Phablets mit 7 Zoll-Display. Das Shift Pro5 sowie das Shift12, ein 4in1 Notebook/Tablet, sind momentan in Vorbereitung. Die Entwicklung finanziert das Unternehmen über Crowdfunding.

Anders als das Fairphone sind die aktuellen Shiftphones nicht modular aufgebaut. Dennoch sollst Du sie einfach reparieren können. Außerdem setzt die SHIFT GmbH auf eine faire Produktion und umweltschonende Materialien.

Einfache Reparaturen in Heimarbeit

Defekte Komponenten des Shiftphones sollst Du ganz einfach selbst austauschen können. Die dafür nötigen Ersatzteile kannst Du einzeln bestellen. Traust Du Dir die Reparatur in Eigenarbeit zu, stellt dir die SHIFT GmbH Anleitungen zur Verfügung. Auf YouTube tauscht zudem eine fleißige Community Tipps und Tutorials aus.

Willst Du das Smartphone lieber von Fachleuchten reparieren lassen, schickst Du es einfach an die Shift-Werkstatt.

Materialien aus fairer Produktion

Die Materialien für den Smartphone-Bau möchte die SHIFT GmbH möglichst aus fairer Produktion beziehen und auf den Einsatz konfliktbehafteter Metalle verzichten.

Aus fairem Handel stammen laut Angaben des Unternehmens zum Beispiel Lötzinn und Gold. Auf Kondensatoren aus Tantal verzichtet der Familienbetrieb komplett und verwendet stattdessen Keramik.

Herstellung in China

Genau wie die Niederländer von Fairphone lässt auch die SHIFT GmbH in China produzieren. Statt in großen Betrieben erfolgt die Herstellung des Shiftphones allerdings in Familienbetrieben und unter fairen Bedingungen.

Um faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten, arbeitet die SHIFT GmbH ebenfalls mit der NGO TAOS zusammen.

Wie ist es um die Transparenz bestellt?

In Sachen Transparenz hat Fairphone noch die Nase vorn.

Das Shiftphone stellt Dir immerhin den „Shift Report“ zur Verfügung (Download unter http://www.shiftphones.com/fair). Darin erklärt das Unternehmen, wie es faire Produktion definiert, wie die Fertigung aufgebaut ist und mit welchen Organisationen die Hessen zusammenarbeiten.

Das Shiftphone: Technische Ausstattung und Preise

Das Shiftphone gibt es derzeit in zwei Varianten: Als Shift4.2 mit 4 Zoll-Display für 277 € und als Shift5.2 mit 5 Zoll-Display für 299 €.

Die größere Variante bietet Dir:

  • ein 5 Zoll HD-Display mit 1280*720p Auflösung
  • einen MT6582 Quadcore-Prozessor mit 2 GB RAM
  • 16 GB internem Speicher, erweiterbar über microSD auf 64 GB
  • 8 MP Hauptkamera
  • 5 MP Front-Kamera

Auch das Shiftphone ist ein Dual-SIM-Handy. Derzeit läuft es noch mit Android 5.1.

Mit Maßen von 144 x 72 x 7 mm und einem Gewicht von 140 g fällt auch das Shiftphone eher groß aus. Das Design ist jedoch deutlich moderner als bei der Konkurrenz von Fairphone. LTE unterstützt das Smartphone nicht.

Shiftphone Phablets und Tablets

Neben den beiden Smartphones gibt es noch zwei Phablet-Versionen:

  • das Shift7 mit 7 Zoll-Display für 222 €
  • das Shift7+ mit 4G LTE für 333 €

Das Shift5pro soll einen aktuelleren Prozessor mitbringen und ebenfalls 4G LTE unterstützen. Außerdem setzt es auf modulares Design. Dafür zahlst Du einen stolzen Preis von regulär 777 €. Bei Vorbestellung kostet das Gerät 555 €.

Auch das 4in1 Notebook/Tablet Shift12 ist modular aufgebaut. Das 12,5 Zoll-Gerät läuft mit Windows 10 und soll auch weitere Betriebssysteme unterstützen. Noch läuft die Crowdfunding-Aktion zur Finanzierung. Mit 999 € kannst Du die Entwicklung fördern.

Was kannst Du für mehr Nachhaltigkeit tun, wenn Du bei herkömmlichen Smartphones bleiben möchtest?

Sprechen Dich weder Fairphone noch Shiftphone an, du möchtest aber dennoch etwas für eine nachhaltige Smartphone-Produktion tun?

Zum einen kannst Du Dich beim Hersteller informieren, wie genau die Produktion erfolgt. Auf den Webseiten findest Du meist Angaben dazu, auf welche Chemikalien die Produzenten verzichten und wie hoch der Anteil recycelter Materialien ausfällt. Außerdem kannst Du nachlesen, wie viel Strom das Gerät verbraucht.

Darüber hinaus kannst Du überlegen, ob es wirklich immer das neueste Smartphone sein muss. Vielleicht tut es das alte Gerät ja noch eine Weile. Oder Du kaufst Dein nächstes Smartphone gebraucht. Funktioniert Dein altes Gerät noch, musst Du es auch nicht entsorgen oder in die Schublade legen, sondern kannst es deinerseits weiterverkaufen.

Deine Meinung ist gefragt: Sind faire Smartphones eine Alternative?

Wäre das Fairphone 2 oder eines der Shiftphones eine Alternative für Dich?

Wie wichtig sind für Dich nachhaltige und umweltfreundliche Produktionsbedingungen beim Smartphone-Kauf? Achtest Du darauf oder schaust Du eher auf Ausstattung und Design?

Ich freue mich auf Deine Meinung und Deinen Kommentar!

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Simone Gerdesmeier

Simone ist die treue Seele der smartphonepiloten-Redaktion. Als freie Journalistin und ausgewiesene Mobilfunk-Expertin seit mehr als drei Jahren beschäftigt sich mit Themen wie Digital Lifestyle Diensten, aktuellen Tarifchecks sowie die Toplisten der Apps, die Du unbedingt kennen musst.Themen wie Gesundheit, Fitness und Ernährung haben es ihr besonders angetan und daher versuchen wir, den Spagat zwischen diesen Bereichen und der Welt des Mobilfunks hier zu meistern :)

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2 Antworten

  1. Avatar Komm_wir_retten_die_Welt! sagt:

    Kurzum: „Ja, faire Smartphones haben eine Zukunft!“
    Wir sollten uns gelegentlich einmal die Frage stellen, ob wir denn selbst unter den in (nicht nur) China üblichen Arbeitsbedingungen selbst arbeiten wollen würden.
    Leider scheinen wir von unserem Luxusleben oftmals zu geblendet, somit wir auch nicht mehr einen selbstrefelktierenden Blick auf unserer eigenes Handeln wagen.
    Ich würde mich zumindest sehr freuen, wenn unsere deutsche oder auch europäische Wirtschaft mal einige Alternativen anbieten würde. Hierbei wäre dann auch einmal die Überlegung zu wagen, obe wir denn nicht auch mal selbst alternative Softwareangebote entwickeln möchten. Nicht jeder benötigt wirklich einen Google oder Android Store.

  2. Avatar Franz sagt:

    Ich bin ziemlich genervt vom Fairphone. Aber ich will einen austauschbaren Akku, soweit möglich faire Arbeits- und Produktionsbedingungen. Deshalb werde ich wohl im nächsten halben Jahr mal auf das Shiftphone wechseln. In der Hoffnung das ich nicht zwei mal am Tag meinen Akku aufladen muss und das Gerät beim Zeitunglesen heiß wird. Alles sachen die mich beim Fairphone nerven. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, deshalb will ich solche Artikel. Augenblicklich war ich auf der suche nach einem dritten Anbieter, aber es scheint nur diese zwei zu geben.

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