Kurzsichtigkeit durch’s Smartphone – was kann man dagegen tun?

Kurzsichtigkeit bei Kinder
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Geh nicht zu nah an den Bildschirm, das macht die Augen kaputt!“ Solche Warnungen kennen viele aus ihrer Kinderzeit. Heute halten sich häufig schon Kleinkinder Smartphones und Tablets nah vors Gesicht. Steigt damit das Risiko für Kurzsichtigkeit? Augenärzte meinen: Ja.

Rund 50 Prozent der jungen Erwachsenen sind kurzsichtig

In den Industrieländern steigt die Zahl der kurzsichtigen Menschen. Laut der Gesellschaft für Augenheilkunde ist in Deutschland rund die Hälfte aller jungen Erwachsenen mit mindestens -0,75 Dioptrien fehlsichtig. In den asiatischen Ländern seien es sogar ganze 95 Prozent. Forscher aus Singapur und Australien haben berechnet, dass bis zum Jahr 2050 die Hälfte der Weltbevölkerung kurzsichtig sein könnte.

Nach der Meinung vieler Augenärzte gibt es für die Zunahme der Fehlsichtigkeit vor allem einen Grund: den frühen und intensiven Gebrauch digitaler Medien.

Warum machen Smartphones kurzsichtig?

Ob ein Mensch kurzsichtig wird oder nicht, ist zum Teil in den Erbanlagen verankert. Brauchen die Eltern eine Brille oder Kontaktlinsen, ist das oft auch beim Nachwuchs der Fall. Studien zeigen aber, dass nicht nur die Vererbung bestimmt, wer kurzsichtig wird. Der Lebensstil beeinflusst die Entwicklung der Augen zu rund 50 Prozent.

Während wir wachsen, wachsen auch unsere Augäpfel. Das menschliche Auge ist nun darauf ausgerichtet, den Blick immer mal wieder in die Ferne schweifen zu lassen. Vielen Kindern in Industrienationen fehlt diese Art des Weitblicks aber. Schon Kleinkinder verbringen relativ viel Zeit vor dem Computerbildschirm oder schauen aufs Tablet und aufs Smartphone. Die Bildschirme befinden sich dabei sehr nah vor dem Gesicht. Durch die ständige Nahsicht wächst der Augapfel in die Länge. Auf diese Weise entsteht eine Kurzsichtigkeit.

Ist der Augapfel einmal zu groß, schrumpft er nicht mehr. Je nach Stärke der Kurzsichtigkeit brauchen die Augen nun lebenslang eine Sehhilfe. Doch nicht nur das: Bei Kurzsichtigkeit besteht auch ein größeres Risiko für Netzhauterkrankungen und Grünen Star.

Geringer Leseabstand und fehlendes Tageslicht

Kurzsichtigkeit Kinder

Aber warum gelten gerade digitale Medien wie Smartphone und Tablets als Ursache für die steigende Anzahl von Kurzsichtigen? Immerhin macht es doch kaum einen Unterschied, ob ein Kind nun den Smartphone-Bildschirm vor das Gesicht hält oder die Nase in ein Buch steckt. Der Leseabstand ist in beiden Fällen gering.

Tatsächlich besteht das Risiko für ein zu starkes Wachstum des Augapfels immer, wenn die Distanz zum fokussierten Gegenstand über längere Zeit weniger als 30 cm beträgt. Das gilt auch beim Lesen.

Besonders groß ist das Risiko, wenn Kinder während des Lesens oder bei der Beschäftigung mit dem Smartphone nicht hin und wieder aufschauen. Bei der Nutzung von digitalen Medien kommt nun noch ein weiterer Risikofaktor hinzu: das fehlende Tageslicht.

Studien zeigen, dass helles Tageslicht vor Kurzsichtigkeit schützen kann, da es das Wachstum des Augapfels hemmt. An hellen Sonnentagen liegt die Lichtstärke draußen bei rund 100.000 Lux, in der Wohnung dagegen nur bei 300 bis 500 Lux. Halten sich Kinder viel im Freien auf, sinkt damit das Risiko für Kurzsichtigkeit.

Gerade bei Smartphones und Tablets ist die Verlockung besonders groß, sie auch bei schlechten Lichtbedingungen weiter zu nutzen. Ihre beleuchteten Bildschirme lassen sich auch im Dämmerlicht lesen.

Der platte Bildschirm gefährdet auch das räumliche Sehen

Augenärzte sehen noch eine andere Gefahr, wenn kleine Kinder zu viel Zeit mit dem Smartphone und Tablet verbringen: Auf den Bildschirmen ist die ganze Welt platt und zweidimensional. Das könnte die Entwicklung des räumlichen Seh- und Vorstellungsvermögens beeinflussen. Zum Beispiel könnte das Auge Schwierigkeiten haben, sich von der Nah- auf die Fernsicht umzustellen. Das wiederum habe verschwommenes Sehen und Schielen zur Folge.

Zu viel Zeit am Smartphone führt zu Einschlaf- und Konzentrationsproblemen

Auch bei Kindern treten zudem Effekte auf, die viele Erwachsene von sich selbst kennen: Der hohe Blaulichtanteil von Computer-, Tablet- und Smartphone- Bildschirmen hemmt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Wer viel Zeit am Bildschirm verbringt, hat daher häufig Probleme einzuschlafen. Das führt zu Konzentrationsproblemen.

Smartphones blaues Licht

Darüber hinaus reizt der hohe Blaulichtanteil die Augen. Wer lange auf den Bildschirm schaut, blinzelt außerdem weniger. Das lässt die Augen austrocknen.

Können Eltern Kids vor Kurzsichtigkeit schützen?

Was können nun Eltern tun, die die Augen ihrer Kinder schützen möchten? Die Nutzung digitaler Medien komplett zu verbieten, erscheint wenig sinnvoll. Spätestens, wenn die Kleinen in die Schule kommen, geben viele Eltern nach. Schließlich sollen die Kinder ja den verantwortungsvollen Umgang mit Medien lernen. Außerdem gibt es auch viele Lernspiele für das Smartphone und Tablet, die durchaus pädagogisch wertvoll sind.

Die Lösung lautet wie so oft: nicht verbieten, aber einteilen.

Mediennutzung einteilen wie Süßigkeiten

Eltern sollten es mit Smartphone, Tablet und Computer so halten wie mit Süßigkeiten, empfehlen Augenärzte. Kids dürfen die digitalen Medien nutzen, aber eben nur für eine begrenzte Zeit pro Tag.

  • Um eine gesunde Entwicklung des Augapfels nicht zu gefährden, sollten Kleinkinder nur wenige Minuten am Tag vor den Bildschirmen verbringen.
  • Für Vier- bis Sechsjährige empfehlen Augenärzte maximal 30 Minuten.
  • Grundschulkinder können eine Stunde am Tag mit Smartphone, Tablet und Computer spielen.

Die Größe des Displays spielt dabei keine Rolle. Auch am großen PC-Bildschirm sitzen die meisten Menschen oft viel zu nah.

Ein weiterer wichtiger Hinweis lautet, häufiger mal aufzuschauen. Etwa alle zehn Minuten sollten Kinder vom Bildschirm aufblicken und ihren Blick in die Ferne schweifen lassen. Ein oder zwei Stunden vor dem Schlafengehen sind Smartphone, Tablet und Computer dann tabu.

Häufiger mal ins Freie

Sollen sich die Augen von Kindern gesund entwickeln, brauchen sie möglichst viel Tageslicht. Daher heißt es: Häufiger mal nach draußen gehen!

Forscher aus Taiwan haben in einer Studie Hinweise darauf entdeckt, dass mindestens 80 Minuten im vollen Tageslicht das Risiko für Kurzsichtigkeit bedeutend senken. Würde sich jedes Kind daran halten, ließe sich die Zahl der stark Kurzsichtigen mit mehr als -6,0 Dioptrien um rund 70 Prozent reduzieren.

Taiwan hat daher schon 2012 Maßnahmen beschlossen, welche die Augen schonen sollen. Alle Schulkinder verbringen täglich zwei Stunden im Freien. Beim Lesen legen sie außerdem nach 30 Minuten eine Pause von zehn Minuten ein. Vor Einführung dieser Maßnahmen waren rund 50 Prozent der Grundschüler kurzsichtig. Nach Einführung der Maßnahmen sind es laut offiziellen Angaben nur noch 45 Prozent.

Die Tipps gelten auch für Erwachsene!

Alle hier genannten Tipps gelten übrigens auch für Erwachsene! In der Regel ist das Auge zwar zum Ende der Pubertät ausgewachsen. Verbringen Erwachsene aber viel Zeit vor dem Bildschirm und gehen zu wenig ins Freie, kann der Augapfel wieder wachsen. Auch die Fähigkeit, von Nah- auf Fernsicht umzustellen, kann auf Dauer leiden.

Daher einfach mal häufiger aus dem Fenster schauen oder gleich zum Spaziergang aufbrechen. Einen vollkommenen Schutz vor Kurzsichtigkeit bieten diese Maßnahmen zwar nicht. Wie gesagt, spielen auch die Erbanlagen eine Rolle. Gut für die Augen sind diese Tipps aber allemal.

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Jannik Degner

Jannik ist der Gründer der smartphonepiloten. Er bloggt hier zu aktuellen Themen aus der Welt des Mobilfunks - vom Ratgeber mit hilfreichen Tipps & Tricks über Tarifübersichten mit den besten Angeboten bist zu brandheißen Deals. Dank jahrelanger Erfahrung und Zusammenarbeit mit verschiedenen Mobilfunkanbietern kennt er die Tricks der Branche und berät, schreibt und berichtet hier von seinen Erfahrungen.

Seit 2012 hat er sich der Welt des Mobilfunks verschrieben und interessiert sich für Mobilfunkstandards, Handytarife, aktuelle Smartphones, Technik-Gadgets, den digitalen Lifestyle und das vernetzte Zuhause. Wenn man ihn nicht gerade am Macbook vorfindet, dann ist er entweder in der Küche und testet innovatives eKitchen-Equipment oder er sitzt - ganz analog - am Klavier. :)

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