Absolut dicht: Was halten wasserdichte Smartphones wirklich aus?

Wasserdichte Smartphones
Share

Schnell ist es passiert – das teure Smartphone landet beim Abwaschen im Spülbecken, schwimmt nach dem Fischfütterung mit im Aquarium oder rutscht beim Chatten aus der Hand und taucht in der Badewanne ab. Elektronik und Wasser vertragen sich nicht und nur mit viel Glück waren Geräte, die baden gingen, früher noch zu retten. Einige Hersteller nehmen diesem Szenario den Schrecken und bieten wasserdichte Smartphones an. Hier verhindern Barrieren, dass das Innere des Mobiltelefons mit Wasser in Berührung kommt. Zumindest sollten sie das. Die Praxis zeigt, dass unter Laborbedingungen wasserdichte Handys im Alltag nicht immer überzeugen.

Wasserdichte Smartphones und was sie wirklich aushalten

Wenn das Mobiltelefon plötzlich im Wasser landet

Stell Dir vor, Du nimmst ein entspannendes Bad. Herrlich – gerade im kühlen Winter. Endlich entspannen und nebenbei ein wenig online surfen. Und dann – platsch. Das Smartphone rutscht aus der Hand und landet im Wasser. Gut, wenn es sich um ein wassergeschütztes Gerät handelt. Das kannst Du einfach wieder aus dem Wasser angeln und weiter benutzen. So versprechen es zumindest einige Hersteller. Doch was steckt tatsächlich dahinter?

IP-Wert gibt Robustheit des Handys an

Wie gut ein Smartphone gegen ungewollte Ausflüge ins Wasser geschützt sind, gibt die IP-Schutzklasse an. Gemeint ist damit eine Klassifizierung der International Protection (kurz IP), die durch zwei Kennziffern angegeben wird. Die erste Ziffer kann von 0 bis 6 reichen.

  • Eine 0 biet auch im wahrsten Sinne des Wortes eine Null, denn hier ist kein Schutz zu erwarten.
  • Geräte mit der Kennziffer 4 sind geschützt gegen Fremdkörper ab einem Millimeter Durchmesser.
  • Die Kennziffer 5 verspricht Schutz gegen Staub.
  • Die 6 steht für vollkommen staubdichte Geräte.

Die zweite Kennziffer bringt zum Ausdruck, wie gut ein Gerät vor Wasser geschützt und vor Feuchtigkeit isoliert ist. Diese zweite Kennziffer reicht von 0 (kein Schutz) bis 9 (Schutz gegen Wasser bei einer Hochdruckreinigung).

  • Da vermutlich keiner versuchen wird, das Handy mit dem Hochdruckreiniger zu säubern, ist eine Schutzklasse mit einem Wasserschutz von 9 hier auch nicht erforderlich.
  • Die Wasserschutzklasse 4 kann aber in vielen Fällen schon ausreichen, denn diese bewahrt das Smartphone vor Spritzwasser.
  • Die Wasserschutzklasse 6 schützt vor starkem Strahlwasser.
  • Die 7 bietet Schutz vor kurzem Untertauchen.

Hersteller präsentieren wasserdichte Smartphones

Mittlerweile werben mehrere Smartphone-Produzenten damit, dass ihre Geräte über einen entsprechenden Schutz verfügen, etwa das HTC 10 oder das Xperia X. Aber nicht alles, was beworben wird, sollte im Alltag allzu ausführlich getestet werden.

Auch wenn das Smartphone vor Wasser geschützt sein soll, ist es nicht unbedingt geeignet, um damit baden zu gehen.

Der Schutzgrad reicht bei aktuellen Mobiltelefonen aus, um das Handy im Alltag vor Schäden zu schützen. Wenn Dir neben dem Smartphone der Kaffee umkippt und das Mobiltelefon kurz schwimmt, dann ist dies nicht so schlimm wie bei Geräten, die nicht vor Spritzwasser geschützt sind. Die Modelle sind meistens daran erkennbar, dass Sie eine IP-Zertifizierung besitzen, d.h. es wird das Ausmaß des Wasserschutzes entsprechend der International Protection angegeben.

Wasserdichte Handys wurden ursprünglich nicht für Personen entwickelt, die gerne beim Duschen telefonieren oder beim Baden Chat-Nachrichten verschicken. Eigentliche Zielgruppe der wassersicheren Modelle waren Outdoor-Fans.

Wer gern draußen unterwegs ist, zeltet, sich beim Trekking nicht von Regen abschrecken lässt oder wilde Wasserfälle erkundet, der braucht auch ein robustes Handy. Echte Outdoor-Handys sind spritzwasser- und staubgeschützt, überleben auch Stöße und Stürze, starke Temperaturschwankungen und Vibrationen. Sie begleiten den Träger beim Trekking, bei Radtouren oder Bootsfahrten. Die Robustheit wird an Ummantelungen aus elastischem Kunststoff sichtbar.

Warum manches Smartphone doch nicht ganz dicht ist

Schwachstellen am Mobiltelefon sind vor allem die Buchsen.

Anschlüsse für Kopfhörer oder USB-Buchsen können zur Eintrittspforte für Wasser werden. Manche Hersteller dichten hier die Anschlüsse mit kleinen Kappen gegen Wasser ab oder verwenden Versiegelungen, welche die Smartphones vor eindringendem Wasser schützen. In den Geräten ist der Akku auch fest verbaut, sodass es weniger Ritzen gibt, über die Flüssigkeiten eindringen könnten.

Bei den aktuellen Smartphones werden die Sicherheitsnormen IP65 bis IP68 angeboten.

Die Modelle sind also staubdicht und spritzwassergeschützt, können im besten Fall sogar unter Wasser getaucht werden. Wichtig bist hierbei aber, dass alle Abdeckungen und Anschlusskappen verschlossen sind, denn sonst ist die wasserdichte Isolation nicht mehr gewährleistet. Du solltest auch bedenken, dass Du die Abdeckungen und Kappen regelmäßig öffnest, etwa um Kopfhörer anzuschließen. Mit der Zeit kann es passieren, dass der Verschluss nicht mehr zu 100% deckt und doch Wasser eindringt.

Wasserdichte Smartphones: Werbung verspricht viel

Vielleicht erinnerst Du Dich an den folgenden Werbespot, in denen Smartphones in Wasserschalen oder Spülbecken gelandet sind, um dann vom souveränen Besitzer wieder herausgefischt zu werden.

[av_video src='https://www.youtube.com/watch?v=fuu3Gt3vOvQ‘ format='16-9′ width='16‘ height='9′]

Ob das alles so stimmt? Nicht ganz. Die Hersteller selbst machen hier Einschränkungen. Einige empfehlen, die Geräte nicht in Wasser einzutauchen, selbst wenn sie als wasserdicht beworben wurden.

Zudem gilt die Resistenz gegenüber Wasser häufig nur für reines Wasser, nicht für Salzwasser oder Seifenlösungen sowie das chlorierte Wasser im Schwimmbad. Diese Zusatzstoffe im Wasser können das Gerät schädigen und verringern die Oberflächenspannung des Wassers. Es kann damit leichter in die Elektronik laufen. Generell empfiehlt es sich auch, die Werbeversprechen nicht auszureizen und das Handy nicht beim Schwimmen oder Tauchen mitzunehmen.

Ob Smartphones wasserdicht sind, wird im Testlabor untersucht. Es ist also nicht der Fall, dass ein Mitarbeiter des Herstellers mit dem Handy baden geht oder es an einem regnerischen Tag mehrfach in Pfützen fallen lässt, sondern eine klinisch standardisierte Laborumgebung wird genutzt, um dort vorsichtige Tauchtests durchzuführen. Diese sind nicht immer repräsentativ für die Praxis. Wenn Dir im Alltag ein Malheur passiert, dann wird das Handy nicht höchst sachte und vorsichtig abgetaucht und das auch noch in reinstes Wasser, sondern es plumpst vielleicht ins Spülbecken oder ins Aquarium. Und ob das Smartphone auch dann wasserdicht ist, steht auf einem anderen Blatt.

Erste Hilfe: Wenn ein normales Smartphone baden geht

Fällt ein Smartphone ins Wasser das nicht gegen Feuchtigkeit versiegelt ist, dann sollte es schnell ausgeschaltet und der Akku herausgenommen werden. Auch Speicherkarten und die SIM-Karte sollten entfernt werden. Danach sollte das Handy vorsichtig abgetupft werden. Nun legst Du das Mobiltelefon mit geschlossenem Deckel in eine Box und füllst in diese Katzenstreu oder Reis. Das saugt die Feuchtigkeit wieder auf. Nach einem Tag kannst Du testen, ob das Handy wieder funktioniert – klappt allerdings leider nicht immer.

Fazit: Wasserschutz bei wasserdichten Smartphones besser nicht austesten

Welches Fazit gilt es hier zu ziehen? Dass die Werbung nicht immer ganz die Realität widerspiegelt ist nicht neu, Werbung übertreibt bewusst und spielt mit einprägsamen Bildern.

Handys, die als wasserdicht gelten und mit Begriffen wie „wassergeschützt“ beworben werden, halten kleine Unfälle sicherlich besser aus als normale Handys. Aber auch sie überleben nicht jeden Sturz ins Wasser unter Garantie. Du solltest Dich also nicht zu sehr auf die Werbeversprechen verlassen. Nimmst Du Dein Smartphone mit an den Strand, dann verwende besser spezielle Hüllen, die ähnlich einer Tüte fest verschlossen werden und Wasser abhalten.

Welche Erfahrungen hast Du mit wasserdichten Smartphones damit gesammelt? Ist Dir schon einmal ein Smartphone ins Wasser gefallen? Konntest Du es retten? Und wie sehr traust Du den Versprechen der Hersteller? Ich bin gespannt auf Deine Meinung und freue mich über einen Kommentar! 🙂

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
1 Bewertungen, durchschnittlich: 5,00 von 5 Sternen
Andrea Augustin

Hallo, ich bin Andrea und blogge bei den smartphonepiloten zu aktuellen Mobilfunktrends und spannenden Angeboten rund ums Telefonieren. Ich entdecke gern Neues und teste innovative Ideen.

Schreibe einen Kommentar

You have to agree to the comment policy.