Nachhaltigkeit bei Smartphones: Wie nachhaltig sind unsere Handys?

Wie nachhaltig sind unsere Smartphones?
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Das alte Smartphone hat seinen Dienst getan, also landet es auf dem Müll. So ergeht es zahlreichen Geräten in Deutschland. Pro Jahr fallen so etwa 1,7 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Für die Umwelt bedeutet dieser Müllberg eine große Gefahr. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert daher Maßnahmen und Standards für eine nachhaltigere Nutzung von Smartphones und Co.

Wie nachhaltig sind unsere Smartphones? Eine Studie der Deutschen Umwelthilfe gibt Antwort

DUH-Studie: Nachhaltigkeit bei Smartphones ist die Ausnahme

Ein Jahr lang hat die Deutsche Umwelthilfe Smartphones, Festnetztelefone und Router von 25 Geräteherstellern untersucht. Im Mittelpunkt standen dabei das Produktdesign, das Vertragsangebot, die Geräteunterstützung und Entsorgungslösungen, aber auch Marketingstrategien. Mitte Januar 2018 erschien die Studie, die Du übrigens hier einsehen kannst.

Das Ergebnis: Bei Smartphones und Co. ist Nachhaltigkeit eher die Ausnahme.

Eine Erfahrung in diese Richtung hast Du vielleicht auch schon gemacht, wenn Du ein älteres Smartphone nutzt: Irgendwann stellen die Hersteller die Software-Updates für ältere Geräte ein. Dann muss ein Neues her.

Elektrogeräte gehen zudem immer schneller kaputt. In vielen Fällen besteht keine Möglichkeit, das Smartphone, Festnetztelefon oder den Router selbst zu reparieren. So landet das Gerät dann in der Schublade oder im Müll.

Die DUH kritisiert die immer kürzer werdenden Nutzungszyklen. Die Wirtschaft hat derweil großes Interesse daran, mmer neue Geräte an den Verbraucher zu bringen.

Deutsche kaufen pro Jahr mehr als 24 Millionen Smartphones

Mehr als 24 Millionen Smartphones kaufen die Deutschen im Jahr. Laut DUH entspricht das 250.000 Tonnen Material, was zu wachsenden Müllbergen führt.

Millionen verkaufte Smartphones pro jahr

Über 24 Millionen Smartphones während jährlich verkauft – und das allein in Deutschland.

Die verwendeten Materialien machen Elektroschrott zu einer besonders umweltschädlichen Art von Müll. Das Recycling ist aufwendig und kostspielig. IKT-Geräte müssen getrennt vom restlichen Abfall gesammelt und aufbereitet werden. Das geschieht jedoch nur bei 40 Prozent des Elektroschrotts.

Im Sinne der Kreislaufwirtschaft sollen die für die Produktion benötigten Rohstoffe eines Geräts eigentlich wieder vollständig in den Produktionskreislauf zurückfließen. Das ist bei Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) bislang aber kaum der Fall.

Viele Hersteller nehmen die Geräte zwar zurück, setzen sich der DUH-Studie zufolge aber nicht aktiv für eine Sammlung ausgedienter IKT ein. In den Schubladen deutscher Verbraucher lagern daher noch rund 120 Millionen Handys.

Warum IKT-Schrott ein Problem ist

Das ist vor allem deshalb ein Problem, da für Smartphones und Co. wertvolle und seltene Rohstoffe zum Einsatz kommen. In den Geräten stecken Gold, Silber, Kupfer, Platin und Palladium. Weltweit summiert sich der Wert dieser Rohstoffe auf geschätzte 46,8 Milliarden €.

Die Produktion von IKT benötigt zudem sogenannte Seltene Erden. Diese Metalle sind zwar gar nicht so selten, wie der Name andeutet, kommen aber nur in geringen Mengen vor. Ihre Förderung bringt oft schwere Schäden für die Umwelt mit sich.

Risiken bestehen auch für die Arbeiter, die Seltene Erden abbauen: Häufig sind es noch Kinder, die dabei mit gesundheitsschädlichen Chemikalien zu Werke gehen.

Noch dazu verbraucht die Produktion neuer Geräte sehr viel Energie. Informationen von Greenpeace zufolge verschlang die Herstellung von Smartphones von 2007 bis 2017 weltweit 968 Terrawattstunden Strom.

Die Forderungen der Deutschen Umwelthilfe

Die DUH sieht es als wichtiges Ziel an, die Nachhaltigkeit von Smartphones und weiterer IKT zu verbessern. Politik und Wirtschaft fordert sie daher zum Handeln auf.

Nachhaltigkeit bei Smartphones

Der Maßnahmenkatalog der DUH:

  1. Niedrigere Steuern auf umweltfreundliche Produkte wie gebrauchte Geräte sowie auf Dienstleistungen, die zum Erhalt der IKT beitragen
  2. Ein Recht auf Reparatur, das Hersteller zur Bereitstellung von Ersatzteilen, Reparaturanleitungen und Software-Updates zu vertretbaren Kosten verpflichtet
  3. Standards für „Öko-Design“, damit Geräte mit langer Haltbarkeit, reparierbare und recyclingfähige Geräte sowie der Einsatz von Recyclingmaterialien zur Regel werden

Von den Unternehmen und Vertragsanbietern fordert die DUH zudem die Einführung von Leasingmodellen. Außerdem sollen sie vermehrt gebrauchte Geräte anbieten.

Einige Unternehmen gehen mit gutem Beispiel voran

Einige Unternehmen zeigen bereits, dass IKT und Umweltschutz nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen.

Asus, Fairphone, Shift und Zyxel zum Beispiel bieten originale Ersatzteile für unabhängige Reparaturbetriebe und Endverbraucher an. Kaputte Geräte kannst Du bei einer Werkstatt Deiner Wahl reparieren lassen oder Dich selbst an der Reparatur versuchen. Bei anderen Unternehmen gibt es Ersatzteile dagegen nur zu hohen Kosten oder ausschließlich für Vertragswerkstätten.

Das Fairphone 2 zeigt auch, wie ein verbraucherfreundliches Öko-Design funktionieren kann. Das Smartphone ist modular aufgebaut, alle Module lassen sich einzeln ersetzen. Auch Branchengrößen wie Apple und Samsung unternehmen erste Schritte und verwenden für einige Geräte Recyclingkunststoff.

Telefónica, Telekom und Vodafone nehmen gebrauchte Handys und Smartphones zurück. Teilweise reparieren die Unternehmen die Geräte und verkaufen sie wieder. Der Anbieter Shift geht noch einen Schritt weiter: Für jedes Smartphone zahlst Du hier 22 € Pfand. Das Geld gibt's wieder, wenn Du das Altgerät zurückgibst.

Leasingrouter gehören für viele Unternehmen zum Standard. Bei 1&1, o2, Vodafone, der Telekom und Unitymedia gibt es den Router zur Miete. Bei Vertragskündigung geht er an den Anbieter zurück. Bei Smartphones sind Leasingmodelle noch selten. Bislang bietet eigenen Angaben zufolge nur Fairphone ein Leasing-Smartphone an.

Etwas besser sieht die Situation aus, falls Du bei den Anbietern nach gebrauchten Geräten suchst: Von Fairphone, Congstar und Shift bekommst Du gebrauchte Mobiltelefone auch online.

Was kannst Du selbst für mehr Nachhaltigkeit tun?

Die DUH sieht nicht nur Politik und Hersteller, sondern auch Verbraucher in der Pflicht. Was kannst Du tun, wenn Du die Umwelt schonen und Dich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen möchtest?

Zunächst einmal kannst Du Dir überlegen, wie häufig Du eigentlich ein neues Smartphone brauchst. Muss es wirklich alle zwei Jahre ein neues Modell sein? Vielleicht tut es das Alte ja auch noch eine Weile. Oder Du legst Dir ein gebrauchtes Mobiltelefon zu.

Mit Displayfolien und Schutzhüllen kannst Du dazu beitragen, dass Dein Smartphone möglichst lange hält. Wünscht Du Dir doch ein neues Modell, kannst Du Dein altes Gerät verkaufen.

Blauer Engel Smartphone

Defekte Smartphones kannst Du auf dem Werkstoffhof oder auch einfach bei den Händlern abgeben, wenn eine Reparatur nicht mehr möglich ist.

Informiere Dich außerdem über besonders umweltfreundliche Geräte und achte auf Siegel wie den „Blauen Engel“.

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Simone Gerdesmeier

Simone ist die treue Seele der smartphonepiloten-Redaktion und beschäftigt sich mit Themen wie Digital Lifestyle Diensten über aktuelle Tarifchecks bis zur Zusammenstellung der besten Apps aus einem bestimmten Themengebiet.Themen wie Gesundheit, Fitness und Ernährung haben es ihr besonders angetan und daher versuchen wir, den Spagat zwischen diesen Bereichen und der Welt des Mobilfunks hier zu meistern :)

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1 Antwort

  1. Avatar Jürgen sagt:

    Hallo Simone,
    danke für den Beitrag. Es müsste einfach mehr Reparturen durchgeführt werden, anstatt das Handy wegzuwerfen und Rohstoffe zu verbrauchen.
    habe mal angefangen Reparaturwerkstätten in Berlin aufzulisten (ist natürlich nicht vollständig), siehe
    https://lokale-suche.jimdo.com/computer-service/smartphone-reparatur/
    viele Grüsse
    Jürgen

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