Identitätsdiebstahl: Klarna Rechnung auf meinen Namen, obwohl nichts bestellt …

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Heute möchte ich mal in eigener Sache berichten, auch wenn meine Erfahrungen nicht direkt etwas mit Mobilfunk, Telekommunikation oder sonstigem zu tun haben. Es geht um Identitätsdiebstahl im Internet. Davon bin ich derzeit unmittelbar betroffen. Mitte August habe ich eine Mahnung per Post von klarna für recht dubiose Produkte bekommen, die auf meinen Namen ausgestellt wurde, obwohl mir besagter Shop nichts sagte und ich entsprechend auch nichts bestellt hatte. Es ging um eine nicht gerade kleine Summe von rund 400 €.

In diesem Artikel möchte ich ebenfalls Geschädigte oder Opfer von Identitätsdiebstahl im Internet mit meinen Erfahrungen weiterhelfen und auch ein wenig über genau diese Art des Datenmissbrauchs aufklären.

Identitätsdiebstahl im Internet: Wenn man Mahnungen bekommt, obwohl man nichts bestellt hat …

Präambel

Man denkt ja immer: „So etwas passiert mir bestimmt nicht“. Bestimmt habt Ihr auch schonmal im Fernsehen eine Doku über Identitätsdiebstahl gesehen. Das steht dann Frau Meyer und erhält auf einmal irgendwelche Ware, die sie gar nicht bestellt hat oder soll für Bestellungen finanziell aufkommen, die gar nicht getätigt wurden.

So ging es bis vor kurzem auch mir. Ich arbeite im Bereich Marketing & IT und wage mal zu behaupten, dass ich mit meinen Daten meist recht vorsichtig und bedacht umgehe.

Trotzdem hat es nun auch mich getroffen und meine Identität wurde missbraucht, um irgendwelche dubiosen Waren zu bestellen. Mehr dazu weiter unten.

In diesem Artikel möchte ich von meinen Erfahrungen berichten und über Identitätsdiebstahl aufklären. Vielleicht bist Du auch betroffen und deshalb auf diese Seite gekommen. Dann lies‘ weiter und schau Dir an, wie es mir ergangen ist. Weiter unten kannst Du natürlich auch gern Deine Geschichte als Kommentar verfassen.

Ereignis 1: Eine unbekannte Mahnung von Klarna, obwohl ich nichts bestellt habe …

Montag Morgen – gerade im Büro angekommen, Kaffeemaschine angeworfen und die Post durchgeschaut. Nichts Weltbewegendes. Ein paar Rechnungen und Infoschreiben, die ungelesen direkt in den Papiermüll wandern – natürlich nicht die Rechnungen :). Und dann fällt mir ein Schreiben der Firma Klarna auf. Dabei handelt es sich um einen durchaus seriösen Zahlungsdienstleister, der Zahlungen auf Rechnungen unter anderem für Online-Shops ausführt. Nun gut, vielleicht hatte ich vergessen, eine Rechnung zu begleichen – das kann durchaus mal vorkommen.

Als ich den Brief von Klarna aber öffne, finde ich eine „Erste Mahnung“ vor über einen Betrag von rund 400 € für diverses Equipment zum Pflanzanbau in Innenräumen – ziemlich eindeutig, was mit einem Indoor-Gewächshaus und leistungsstarken Lampen wohl hochgezüchtet werden soll.

Mir geht sofort durch den Kopf: Das hast Du aber nicht bestellt! Doch auf der Mahnung steht eindeutig mein Name sowie meine Büroanschrift und auch die korrekte Postleitzahl und Ort. Was macht man da, außer sich erst einmal zu wundern? Na klar, man ruft man bei Klarna an.

Ereignis 2: Der klärende Anruf bei Klarna?

Die Service-Hotline von Klarna steht direkt auf der Mahnung. Ich greife zum Hörer und lasse mich mit dem Service-Mitarbeiter verbinden, der zur Legitimation „meine“ Rechnungsnummer und Adresse sowie Namen und Geburtsdatum abfragt. Ich hake hier bereits ein und sage, dass es sich zwar um die Rechnungsanschrift handelt, ich aber eindeutig nichts bestellt habe.

Er fragt mich weiterhin nach den letzten Ziffern meiner Mobilfunknummer und nach meiner E-Mail Adresse und stellt fest, dass diese bei der Bestellung hinterlegten Daten nicht mit meinen Angaben übereinstimmen. Lediglich Name und Anschrift sind korrekt.

Also werde ich in die Sicherheitsabteilung von Klarna weitergeleitet, der ich alles nochmals erklären muss. Wieder wird festgestellt, dass E-Mail und Telefon nicht übereinstimmen. Ich frage nach der hinterlegten E-Mail Adresse. Antwort: „Die darf ich Ihnen aus Datenschutzgründen nicht sagen“. Hallo? Datenschutz? Hier geht es immerhin gerade um meine Daten, die eindeutig missbraucht wurden.

Aber okay – was soll man machen. Ich widerspreche fernmündlich der Rechnung, die anschließend auch stillgelegt und geprüft wird. Außerdem wird meine Adresse bei Klarna für die Zukunft gesperrt. Ganz klasse, wenn ich wirklich mal was über Klarna kaufen sollte. Die Mitarbeiterin rät mit weiterhin dazu, Anzeige zu erstatten, was ich natürlich auch tue.

Ereignis 3: Anzeige bei der Polizei erstatten

Also auf zum hiesigen Polizeirevier. Dort werde ich zuerst etwas schief angeguckt – aber das scheint manchmal unter Polizisten so zu sein. Die gesamte Abwicklung gestaltet sich aber sehr kompetent und freundlich. Eine nette Beamtin nimmt die Anzeige auf und fragt mich nach allen möglichen Einzelheiten.

Wir reden noch über Identitätsdiebstahl, Datenmissbrauch, darüber, dass mein Name und meine Adresse nunmal berufsbedingt öffentlich im Netz stehen und was der oder die Täter wohl mit dem Indoor-Equipment vorhaben werden. 😉 Schließlich wird die Anzeige geschrieben und der Kriminalpolizei übergeben, die sich zeitnah bei mir melden wird.

Vorsichtshalber frage ich bei einem befreundeten Rechtsanwalt nach, der mir dazu rät, bei Klarna nochmals schriftlich zu widerrufen. Das tue ich auch und weise die offene Forderung vollumfänglich zurück, weil ich keine Bestellung getätigt habe und natürlich auch keine Ware erhalten habe – mit solchen Dingen will ich sowieso nichts am Hut haben.

Ereignis 4: Rückmeldung von der Kriminalpolizei

Zwei Tage, nachdem ich die Anzeige bei der Polizei aufgegeben habe, erhalte ich einen Anruf von einem Polizeibeamten der Kriminalpolizei.

Er schildert seine Erkenntnisse und gibt mir die zusätzlichen Bestelldaten wie die Fake-E-Mail Adresse, die angelegt wurde, die IP-Adresse von der die Bestellung getätigt wurde. Hier mein aktueller Wissenstand zusammengefasst:

  • als Versandadresse wurde meine tatsächliche Büroanschrift verwendet
  • da allerdings der Firmenname nicht angegeben wurde ist die Sendung allen Anscheins nach an den Shop zurückgeschickt worden (Empfänger unbekannt – so steht es in der DHL Sendungsverfolgung)
  • E-Mail Adresse bei gmx.com wurde registriert und anschließend wieder gelöscht
  • bei der IP-Adresse handelt es sich um eine deutsche IP-Adresse, die in Hessen verwendet wurde

Viel tun kann man an dieser Stelle leider nicht mehr. Um den Anschluss der IP-Adresse zu ermitteln, müsste ein Gerichtsbeschluss vorliegen – das wäre nach Angaben des Polizeibeamten für diesen Fall allerdings nicht angemessen.

Wir sind nun so verblieben, dass gecheckt wird, ob das DHL Paket tatsächlich wieder beim Absender eingegangen ist. Dann wäre ja auch die Rechnung als auch die Mahnung nicht mehr legitimiert. Was genau es damit auf sich hat, wäre reine Spekulation: Entweder jemand hat sich einen bösen Scherz erlaubt und einfach etwas auf meinen Namen bestellt, oder das Paket sollte tatsächlich bei mir im Büro abgefangen werden.

Nachtrag: Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass das Paket tatsächlich an den Absender zurückgeschickt und dort auch angenommen wurde. Damit ist die ganze Sache dann vom Tisch.

Was bleibt, ist irgendwie ein leicht mulmiges Gefühl, weil irgendwer meine Daten verwendet hat – wenn auch nicht erfolgreich. Wenn so etwas nochmals passieren sollte, geht's direkt wieder zur Polizei. Das kann ich ohnehin jedem Betroffenen empfehlen. Ich war recht beeindruckt von der schnellen Aufklärung und der wirklich freundlichen und kompetenten Beratung seitens der Kriminalpolizei!

Ich halte Euch auf dem Laufenden, wenn sich diesbezüglich noch etwas Neues ergibt …

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Jannik Degner

Jannik ist der Gründer der smartphonepiloten. Er bloggt hier zu aktuellen Themen aus der Welt des Mobilfunks - vom Ratgeber mit hilfreichen Tipps & Tricks über Tarifübersichten mit den besten Angeboten bist zu brandheißen Deals.

Seit 2012 hat er sich der Welt des Mobilfunks verschrieben und interessiert sich für Mobilfunkstandards, Handytarife, aktuelle Smartphones, Technik-Gadgets, den digitalten Lifestyle und das vernetze Zuhause. Wenn man ihn nicht gerade am Macbook vorfindet, dann ist er entweder in der Küche und testet innovatives eKitchen-Equipment oder er sitzt - ganz analog - am Klavier. :)

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17 Antworten

  1. Avatar Silke sagt:

    Danke für den ausführlichen Artikel.
    Bei mir ist heute ein Inkassoschreiben eingetrudelt.
    Bei Klarna und dem Unternehmen angerufen. Irgendwer hat auf meinen Namen in einem Sportshop eingekauft. Rechnungs- und Lieferadresse in einem Nachbarort von mir. Nur Name und Geburtsdatum stimmen. Als E-Mail hat sich derjenige eine GMX Adresse angelegt.
    Nun geht’s heute Abend zur Polizei Anzeige erstatten. Hoffentlich klärt sich das.

  2. Avatar Sophie sagt:

    Hallo!
    Danke für deinen Artikel! Ich bin aktuell in der Situation, aber leider hat jemand das Paket tatsächlich angenommen. Ich habe morgen einen Termin bei der Polizei um Anzeige zu erstatten. Laut dem Telefonat mit der Polizei eben, muss es jemand in meinem Umfeld gewesen sein, da meine alte Wohnadresse (da wohne ich seit 6 Jahren nicht mehr), korrekte Geburtsdatum und allem Pipapo angegeben wurde. Da möchte mir jemand schaden. Ich bin total wütend, da ich jetzt eine riesen Rennerei habe, ganz abzusehen von negativen SchufeEinträgen.

    • Jannik Degner Jannik Degner sagt:

      Hallo Sophie,

      dann drücke ich Dir die Daumen, dass das Ganze glimpflich und ohne zu viel Aufwand über die Bühne geht. Ist ein sehr unschönes Gefühl – das kann ich nur zu gut nachvollziehen.

      Viel Erfolg für Dich & Gruß,
      Jannik

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