Hyperaktivität, Konzentrationsprobleme, Unruhe: Wie viel Smartphone-Nutzung ist für Kids noch gesund?

BLIKK Studie
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Internet, Smartphone und Co.: Für viele Kids gehören digitale Medien ganz selbstverständlich zum Leben dazu. Aber wie wirkt sich die Mediennutzung eigentlich auf ihre Entwicklung aus? Wie gut können sich Kleinkinder konzentrieren, wenn sie viel mit dem Smartphone spielen? Und welche Folgen hat es, wenn sich Eltern neben der Kinderbetreuung mit dem Handy beschäftigen? Das hat die sogenannte Blikk-Studie untersucht.

Blikk-Studie: 70 Prozent der Kita-Kinder spielen mit Smartphones – wie wirkt sich das auf die Gesundheit aus?

Wie riskant sind digitale Medien für Kinder?

Zeichentrickserien auf dem Tablet schauen, mit Freunden chatten oder lustige Online-Games spielen: Für Kinder und Jugendliche gehören digitale Medien längst zum Leben dazu. Viele lernen schon im Vorschulalter, mit Smartphone und Tablet umzugehen. Ihre ersten Erfahrungen im Internet machen Kids ebenfalls bereits in jungen Jahren.

Als Digital Natives beherrschen viele Kinder und Jugendliche den Umgang mit digitalen Medien oft besser als ihre Eltern. Experten sehen im frühen Kontakt mit Smartphone und Co. aber nicht nur Chancen, sondern auch Risiken wie Internetabhängigkeit und Smartphonesucht. Rund 600.000 Internetsüchtige soll es in Deutschland mittlerweile geben, 2,5 Millionen Menschen sollen ein problematisches Nutzungsverhalten zeigen, sich also nicht einfach von Internet oder Handy lösen können.

Was macht es eigentlich mit Kindern, wenn sie sich viel mit digitalen Medien beschäftigen, bevor sie überhaupt ihren Namen schreiben können? Macht zu viel Smartphone Kinder vielleicht sogar krank? Und wie viel ist „zu viel“?

Vermutungen gibt es viele, konkrete Untersuchungen jedoch nicht. Die Blikk-Studie soll diese Lücke füllen.

Die Blikk-Studie: Wie beeinflussen Smartphones und Co. die Gesundheit von Kindern?

Blikk steht für „Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz und Krankheiten“. Das Ziel der Blikk-Studie: herausfinden, wie sich digitale Medien auf die Gesundheit, soziale Entwicklung und Lernfähigkeit von Kindern und Jugendlichen auswirken.

Die komplette Studie soll erst im zweiten Halbjahr 2017 veröffentlicht werden. Erste Ergebnisse haben die Verantwortlichen jedoch schon Ende Mai vorgestellt.

Verantwortlich für das Projekt sind das Institut für Medizinökonomie und Medizinische Versorgungsforschung der RFH Köln (iMöV) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Sie kooperieren mit dem Deutschen Kinderschutzbund und dem Deutschen Jugendschutzbund. Die Schirmherrschaft hat die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler (CSU), übernommen. Für die Blikk-Studie gab es außerdem Fördergelder vom Bundesgesundheitsministerium.

Die Studie bezieht ihre Ergebnisse aus zwei Quellen: Zum einen befragten Kinderärzte 5.573 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Zum Zweiten bezieht die Studie Ergebnisse der kinderärztlichen Früherkennungsuntersuchung mit ein.

Ergebnisse: 70 Prozent der Kita-Kids spielen mit dem Smartphone ihrer Eltern

Für die Blikk-Studie befragten Kinderärzte nicht nur Kids, sondern auch ihre Eltern. Die Mehrheit sieht in der frühkindlichen Mediennutzung anscheinend kein großes Problem. 41% geben an, sich noch nicht über digitale Mediennutzung informiert zu haben. 90% sehen keinen Beratungsbedarf für den richtigen Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Internet, Smartphone und Tablet.

Da verwundert es wenig, dass viele der untersuchten Kids bereits in sehr jungen Jahren mit Mamas oder Papas Smartphone spielen. 70 Prozent der Kita-Kinder dürfen sich mehr als eine halbe Stunde täglich mit dem Smartphone der Eltern beschäftigen.

In der Altersgruppe der 2- bis 5-jährigen stellt die Blikk-Studie nun Zusammenhänge zwischen der häufigen Mediennutzung und Hyperaktivität sowie Konzentrationsstörungen fest. Kita-Kinder, die sich viel mit dem Smartphone beschäftigen, können sich der Studie zufolge weniger gut konzentrieren, sind unruhiger und leichter abzulenken. Auch Sprachentwicklungsstörungen stellten die Kinderärzte häufiger fest.

Sollen die Kids einmal ohne digitale Medien spielen, schaffen das 69,5% weniger als zwei Stunden lang.

Häufige Internet- und Smartphone-Nutzung führt zu Konzentrationsproblemen

Einige 8- bis 13-jährige besitzen bereits ihr eigenes Smartphone. Benutzen sie ihr Handy oder andere digitale Medien mehr als 60 Minuten täglich, treten laut Blikk-Studie häufiger motorische Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen auf.

Kinder, die häufig vor digitalen Bildschirmen sitzen, ernähren sich der Studie zufolge auch ungesünder. Sie trinken mehr gesüßte Getränke und essen mehr Süßigkeiten – was zu Übergewicht führt.

Jugendliche über 13 Jahre befragten Kinderärzte danach, wie sie ihre eigene Mediennutzung beurteilen. Ein Großteil der Befragten gab dabei an, die eigene Internetnutzung nicht gut kontrollieren zu können. Das hätte manchmal sogar negative Konsequenzen im Alltag.

Bindungsstörungen durch Smartphone-Nutzung?

Die Blikk-Studie wollte nicht nur wissen, wie Kids selbst mit digitalen Medien umgehen. Die Kinderärzte haben auch Eltern von Kleinkindern gefragt, ob sie zum Beispiel neben dem Stillen mit dem Smartphone im Internet surfen.

Beschäftigt sich die Mutter während der Säuglingsbetreuung auch mit dem Smartphone, zeige sich ein Zusammenhang mit Fütter- und Einschlafstörungen. Die Forscher deuten dies als Hinweis auf eine Bindungsstörung.

Kinder brauchen Orientierung im Umgang mit digitalen Medien

Bindungsstörung, Konzentrationsschwäche, verzögerte Sprachentwicklung, Unruhe und Ablenkbarkeit – die Folgen den digitalen Medienkonsums klingen ernst.

Allerdings: Die Blikk-Studie stellt lediglich statistische Zusammenhänge zwischen Mediennutzung und gesundheitlichen Folgen fest. Das bedeutet noch nicht, dass Internet und Smartphone in allen Fällen die Ursache für eine Entwicklungsstörung sind. Es besteht also kein Grund, digitale Medien zu verteufeln.

Dennoch sollten Eltern ihre Kinder mit digitalen Medien nicht allein lassen. Ein Internet- oder Smartphone-Verbot kann keine Lösung sein, das betonen auch die Macher der Blikk-Studie. Kinder brauchen jedoch Orientierung, wenn sie mit Handy und Internet Spaß haben sollen. Dazu gehört auch, eine gute Balance zwischen der Beschäftigung mit digitalen Welten und dem ganz realen Spielen und Toben mit Freunden zu finden.

Tipps für den Umgang von Kindern mit dem Smartphone haben wir in unserem Ratgeber zusammengestellt.

Simone Gerdesmeier

Simone ist die treue Seele der smartphonepiloten-Redaktion und beschäftigt sich mit Themen wie Digital Lifestyle Diensten über aktuelle Tarifchecks bis zur Zusammenstellung der besten Apps aus einem bestimmten Themengebiet.Themen wie Gesundheit, Fitness und Ernährung haben es ihr besonders angetan und daher versuchen wir, den Spagat zwischen diesen Bereichen und der Welt des Mobilfunks hier zu meistern :)

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