Europäische Regulierungsbehörde warnt vor dem Ende des Roamings

Eu Roaming 2016
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Das Ende der Roaming-Gebühren wurde, wie wir berichtet haben, vor kurzem beschlossen. Die EU-Kommission verabschiedete einen Beschluss, nach dem die Gebühren für das Nutzen fremder oder ausländischer Netze entfallen sollen. Jetzt warnt ein Gutachten vor dem kostenlosen Roaming und sagt unangenehme Folgen für Verbraucher vorher. Angeblich drohen stockende Investitionen in den Ausbau der Netze aufgrund der geringeren Einnahmen der Mobilfunkanbieter. Was steckt dahinter? Und wird der Ausstieg aus dem Roaming doch nicht erfolgen?

Roaming-Gebühren sollen wegfallen – eigentlich

Die Roaming-Gebühren haben Mobilfunkkunden über viele Jahre hinweg geärgert. Als die EU-Kommission erst eine stetige Reduktion der Gebühren und schließlich deren Ende beschloss, hofften Reisende bereis auf preiswertes Telefonieren im Urlaub. Im Juni 2017 sollten die Gebühren völlig wegfallen, wie die EU-Kommission nach langen Diskussionen bekannt gab.

Dahinter steckt nicht nur die Idee, Verbraucher zu entlasten. Es sind auch ein wenig der Zeitgeist und die Wertvorstellung der EU, Grenzen abzubauen und Regelungen zu vereinheitlichen, Barrieren zwischen den Mitgliedsstaaten zu beseitigen und das Leben oder Arbeiten grenzüberschreitend zu vereinfachen. Es passt nicht zum Grundgedanken des EU, Barrieren zwischen den Ländern bestehen zu lassen und Pendler oder Urlauber mit Gebühren für den Aufenthalt in einem anderen Land zu belasten. Pendler und Urlauber wird es freuen, dann die Abschaffung der Gebühren bedeutet weniger Kosten für Telefonie, SMS und Surfen im Ausland. Zu schön um wahr zu sein?

Gutachten weist auf mögliche Probleme hin

Die europäische Regulierungsbehörde (BEREC) veröffentlichte nun aber ein Gutachten, nach dem die Abschaffung der Gebühren letztlich zu Problemen führen könnte. Hinter der Abkürzung verbirgt sich der Body of European Regulators for Electronic Communication – eine Regulierungsstelle für die elektronische Kommunikation. Die Behörde wurde bei der Beurteilung des zweiten Entwurfs zur Abschaffung der Roaming-Gebühren um ihre Meinung gebeten und gab ein eher negatives Urteil ab.

Warum der Wegfall der Roaming-Gebühren kritisch sein könnte

In ihrer Stellungnahme benannte diese Behörde deutliche Bedenken. Kritik äußerte die Behörde etwa an den Regelungen, die einen Missbrauch des wegfallenden Roamings verhindern sollen. Schließlich könnte sich jemand im Ausland eine günstige SIM-Karte kaufen und diese dann dauerhaft in einem anderen Land nutzen. Zunächst war daher eine Begrenzung des kostenfreien Roamings auf eine Dauer von 90 Tagen geplant – dies hat die EU-Kommission mittlerweile wieder verworfen.

Weiterhin wurde Mobilfunkbetreibern eingeräumt, dass sie bei der längeren Nutzung einer SIM-Karte im Ausland beim Kunden nachfragen und von diesem zusätzliche Kosten erheben dürfen. Diese Regeln sind der Regulierungsbehörde zu schwammig formuliert. Die unklaren Festlegungen könnten dazu führen, dass die einzelnen Mitgliedsstaaten diese Beschränkungen des kostenfreien Roamings unterschiedlich umsetzen. Es besteht die Gefahr, dass jedes Land den Missbrauch des fehlenden Roamings anders definiert und daher auch zu verschiedenen Zeitpunkten eingeschritten wird, wenn jemand längere Zeit im ausländischen Netz eingebucht ist.

Drohen steigende Preise?

Zudem warnt die Behörde vor steigenden Preisen für Verbraucher. Zwar können Mobilfunkkunden nach der Abschaffung der Roaming-Gebühren im Urlaub ohne zusätzliche Kosten in die Heimat telefonieren, mobil surfen und SMS senden, aber genau das hat auch Rückwirkungen auf die Preise in der Heimat.

Die Roaming-Gebühren waren ein Finanzierungsinstrument der Mobilfunkanbieter und für diese eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle. Der Wegfall der Gebühren für die Nutzung fremder Netze ist für die Mobilfunkanbieter ein Risiko und zwar ein finanzielles. Netzbetreiber und Mobilfunkunternehmen könnten dieses Risiko auf ihre Kunden übertragen. Mobilfunktarife könnten dann teurer werden, sodass die Netzbetreiber die wegfallenden Einnahmen durch höhere Tarifkosten kompensieren.

Genauso könnte es passieren, dass die Tarifinhalte reduziert werden. Statt Highspeed zu günstigen Preisen werden also entweder die Gebühren höher oder das Highspeed-Datenvolumen schrumpft zusammen. Die sinkenden Einnahmen für Netzbetreiber haben möglicherweise zur Folge, dass die Investitionen in das Breitbandnetz verlangsamt werden oder gar stagnieren.

Was bringt die Abschaffung der Roaming-Gebühren?

Fraglich bleibt, ob der Nutzen des kostenfreien Roamings tatsächlich so groß ist. Denn die Abschaffung der Roaming-Gebühren soll eigentlich Pendlern und Urlaubern nützen, damit diese beim Telefonieren und Surfen nahe der Grenze oder im Ausland nicht mehr in die Kostenfalle tappen. Normalerweise dauern Urlaube aber nur wenige Tage und nicht monatelang. Auch wer pendelt, verbringt meistens nur wenige Tage im Ausland und lebt dort nicht dauerhaft. Daher ist es nicht unbedingt nötig, die Roaming-Gebühren ganz abzuschaffen – so einige Kritiker.

Länger im Ausland sind eher Geschäftsleute oder Politiker tätig, also Personengruppen, die sich die Roaming-Gebühren ohnehin leisten könnten. Der Normal-Verbraucher hat daher vielleicht nicht viel vom Wegfall der Gebühren, muss dann aber die teureren Tarife bezahlen, mit denen die Unternehmen das Einnahmedefizit ausgleichen.

Wie geht es weiter?

Die EU will nun die Bedenken ihrer Regulierungsbehörde prüfen. Es ist noch unklar, auf welche Weise die Einwände der Behörde in die nächsten Entwurfe für die Abschaffung der Gebühren einbezogen werden. Dennoch soll am Aus für die Roaming-Gebühren im Juni 2017 festgehalten werden. Mit einer finalen Variante der Entwürfe zur Abschaffung ist im Dezember zu rechnen.

Sag uns Deine Meinung

Was denkst du über die Abschaffung der Roaming-Gebühren? Wird es sich für Dich wirklich lohnen? Verbringst Du viel Zeit im Ausland? Oder fürchtest Du die Nachteile, die vielleicht später eintreten können? Sag uns Deine Meinung zum Thema.

Andrea Augustin

Hallo, ich bin Andrea und blogge bei den smartphonepiloten zu aktuellen Mobilfunktrends und spannenden Angeboten rund ums Telefonieren. Ich entdecke gern Neues und teste innovative Ideen.

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