5G Netz – Versteigerung in Deutschland – In Schweden rollt der erste autonome LKW

5G Titelbild
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Während in Deutschland seit Dienstag immerhin die ersten Sendefrequenzen für das 5G-Netz versteigert werden, ist Schweden beim neuen Netzstandard, der hundert Mal schneller als LTE/4G sein soll, schon deutlich weiter:  Nun rollt der erste völlig autonome LKW über die Schwedens Straßen, ermöglicht durch 5G.

Versteigerung der ersten Betriebsfrequenzen für 5G durch die Bundesnetzagentur

Seit Zehn Uhr Dienstag Vormittag versteigert die Bundesnetzagentur erste Betriebsfrequenzen für 5G in Deutschland, der fünften Mobilfunkgeneration. 5G ist dabei nicht nur bis zu hundert Mal schneller als 4G/LTE, sondern ermöglicht es auch, mehr Endgeräte anzusteuern als noch mit 4G/LTE. Diese können zudem sehr genau, bis auf einen Meter, geortet werden.

Warum ist 5G ein wichtiger Faktor für die Mobilität von Morgen?

Autonomes Fahren ist dicht an den 5G-Netzausbau gekoppelt. Der neue Funk-Standard ermöglicht es große Datenmengen in kurzer Zeit zu übertragen. Die sogenannten Latenzen sind dabei extrem gering. Ein angeschlossener Server ist es so möglich Fahrzeuge aus großer Entfernung verzögerungsfrei, das heißt im Idealfall in Echtzeit, fernzusteuern.

Sollen sich also Autos ohne menschlichen Fahrer bewegen, müssen immens viele Informationen ausgetauscht werden, dies ist nur über 5G möglich.

Daher ist der neue Standard für die Industrie von enormer Bedeutung.

Denn bei 5G gibt es nicht nur ein Netz für alle Systeme und Endgeräte, sondern viele verschiedene, virtuelle Netze, die alle parallel verschiedene Quellen miteinander verbinden. Diese vielen Einzelnetze können spezifisch, je nach Anwendungsgebiet, optimiert werden und so unterschiedliche Funktionen erfüllen. Jedes 5G-Netz soll in der Theorie auf den jeweiligen Kundenwunsch zugeschnitten werden.

  • So könnte ein 5G-Netz in Deutschland große Bandbreiten zum Streamen hochauflösender Videos bieten,
  • im Straßenverkehr autonome Fahrzeuge mit geringen Latenzen kontrollieren und so den Verkehr steuern.
  • In einer Fabrik können viele Maschinen vernetzt werden und ganze Förderstraßen und Versorgungswege zwischen einzelnen Produktionshallen zentral gesteuert werden.

Welche 5G-Frequenzen werden versteigert?

Es werden in dieser ersten Auktionsphase relativ hohe Frequenzen im Bereich von zwei Gigahertz sowie 3,4 bis 3,7 Gigahertz versteigert. Informationswellen haben bei hohen Frequenzen eine geringe Reichweite, können aber große Datenmengen transportieren.

Es gilt also je höher die Frequenz desto mehr Daten können pro Sekunde übertragen werden. Jedoch geht dies auf Kosten der Reichweite. 5G benötigt also ein dichtes Netz an Sendemasten, um störungsfrei zu funken.

Der Informationsverlust beim Senden in den versteigerten 5G-Frequenzen ist also relativ hoch.

Deswegen eignen sich diese ersten versteigerten 5G-Frequenzen in Deutschland wohl weniger für die flächendeckende, mobile Breitbandabdeckung auf dem Land.

  • In einer späteren Auktion sollen auch niedrigere Frequenzen des 5G-Netzes versteigert werden, die dann eine größere Reichweite haben.
  • Gleichzeitig wird es sehr viel höhere Frequenzen geben, die dann für besonders große Datenmengen optimiert werden.

Für den privaten Nutzen wird aber gleichzeitig auch noch das 4G-Netz weiter ausgebaut, das nicht ein so dichtes Sendemastennetz benötigt:

Da der Anspruch an den Datenumsatz im 4G-Netz geringer ist, können hier zugunsten der Reichweite niedrigfrequentere Mobilfunkwellen genutzt werden. Für Mobiltelefonie und Chatten reicht die Geschwindigkeit von LTE/4G allemal aus.

Welche Bieter sind bei der Auktion für 5G zugelassen?

Es bieten insgesamt vier Netzanbieter auf die 5G-Frequenzen: Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica Deutschland und 1&1 Drillisch (ein Tochter-Konzern der amerikanischen United Technologies Corporation).

Mit ihrer Teilnahme erklären sich die Bieter zu bestimmten Bedingungen der Bundesnetzagentur bereit.

  • So verpflichten sie sich 98 Prozent aller Haushalte in den jeweiligen Bundesländern mit Datennetzen zu versorgen, die eine Transfergeschwindigkeit von mindestens 100 Megabits pro Sekunde erreichen.
  • Zudem müssen auch alle Autobahnen und Schienennetze abgedeckt werden.
  • Dabei sei erwähnt, dass 100 Megabits pro Sekunde auch schon durch die 4G-Technik möglich sind.

Wie läuft die Versteigerung der 5G-Frequenzen in Deutschland ab?

Seit zehn Uhr am Dienstag Vormittag haben die verschiedenen Netzanbieter getrennte Räumlichkeiten im Gebäude der Bundesnetzagentur bezogen und dürfen eine Stunde lang ihre Gebote auf alle zur Auktion freigegebenen 41 5G-Frequenzen abgeben.

  • Dabei sind sie von der Außenwelt abgeschottet, um Wettbewerbsvorteile auszuschließen. Sie dürfen sich nur über gesicherte Leitungen mit ihren Headquarters absprechen.
  • Jede Form der Kommunikation und Datenübertragung wird durch Mitarbeiter der Funküberwachung und dem Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik kontrolliert.

Nach jeder Runde veröffentlicht die Bundesnetzagentur die Gebote, die Bieter können dann wiederum neue Gebote auf die einzelnen Frequenzen abgeben. Die Versteigerung wird sich voraussichtlich über die nächsten Tage hinweg ziehen, bis alle Frequenzen verteilt sind und kein Konzern mehr bietet.

Als vor vier Jahren die 4G-Netze versteigert wurden, dauerte die Auktion 16 Tage und 181 Bieterrunden. Bei den 3G-Netzen im Jahre 2010 ging es sogar über 224 Runden.

Welchen Netzanbieter also, welche Frequenz bedienen wird, werden wir also in den nächsten Wochen erst wissen.

Die Mindestgebote für jede 5G-Frequenz liegen zwischen 1,7 und fünf Millionen Euro. Der Bund möchte also mindestens 104 Millionen Euro einnehmen, wobei die wirklichen Einnahmen sich eher im Milliardenbereich abspielen werden.

Bei den 4G-Netzen verdiente der Bund 5,1 Milliarden Euro. Im Jahre 2000 wurde sogar die Rekordsumme von 100 Milliarden D-Mark (50 Milliarden Euro) erlöst, ein solche hoher Erlös ist heutzutage aber nicht mehr zu erwarten.

Das eingenommen Geld möchte die Bundesregierung in den Ausbau der digitalen Infrastruktur reinvestieren.

Ist 5G gefährlich und gesundheitsschädlich für den Menschen?

Wie die Pressesprecherin des Bundesamts für Strahlenschutz, Nicole Meßmer feststellt, lägen die aktuell versteigerten Frequenzen in einem Bereich, in denen auch unsere bisherige mobile Datenübertragung stattfinde, sie seien daher bereits gut erforscht. Das Risiko ist somit kalkulierbar.

Perspektivisch soll der neue Funkstandard aber in sehr viel höheren Frequenzen im 26 GHz-Bereich funken. Dieser Bereich sei, Meßmer nach, noch wenig erforscht.

Deswegen hält das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) weitere Forschungen zu gesundheitlichen Folgen elektromagnetischer Strahlung für nötig.

„Die deutlich höheren Datenübertragungsraten, neue und zusätzliche Sendeanlagen und höhere Frequenzen würden die Strahlungsintensitäten verändern“, so BfS-Präsidentin Inge Paulini gegenüber der Passauer Neuen Presse.

Nach Angaben der WHO könnte Mobilfunkstrahlung wie andere Elektromagnetische Strahlung krebserregend sein.

Wie sich die in Zukunft voraussichtlich erhöhte Strahlung auf die Gesundheit auswirkt muss in lang angelegten Studien überprüft werden, zudem fordern immer mehr Vertreter von Natur- und Umweltschutz vorbeugende Maßnahmen und vorsichtiger festgelegte Grenzwerte für die Emission elektromagnetischer Strahlung.

Wie weit ist die europäische Konkurrenz bei dem 5G-Netzausbau?

Deutschland hängt im europäischem Vergleich beim Netzausbau hinterher. Während in Italien, Österreich oder Rumänien bereits die 5G-Frequenzen versteigert worden sind, Ist in Schweden ist ein Versuch gestartet worden, bei dem der erste völlig autonome Elektro-LKW auf der Straße fahren soll.

T-Pod 5G

DB Schenker und Einride testen den ersten autnomen Elektro-LKW

Der erste autonomfahrende Elektro-LKW heißt T-pod und wird vom schwedischen Unternehmen Einride hergestellt. Die autonomen LKWs werden in Zukunft für den deutschen Logistiker DB Schenker auf festgelegten kurzen Strecken fahren.

Die nötigen Berechnungen werden bei dem System nicht im Fahrzeug selbst getätigt, sondern zentral von einem Server der Firma. Die erforderliche Datenmenge kann nur über 5G gesendet werden. Deswegen kooperiert Einride mit den Mobilfunktechnologie-Konzernen Ericsson und Telia, die in Schweden die betreffenden Strecken mit 5G versorgen sollen.

Wann und ob in Deutschland solche Prototypen getestet werden können ist abhängig von den oben genannten, bietenden Konzernen und der Förderung der digitalen Infrastruktur durch den Bund.

5G bleibt dabei aber eine notwendige Grundvoraussetzung in jedem Gedankenspiel über die Mobilität und Infrastruktur von morgen.

Quellen

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Lkw-ohne-Fuehrerhaus-DB-Schenkers-T-pod-darf-auf-schwedischen-Strassen-fahren-4337085.html

https://www.einride.tech/news/new-milestone-reached-as-swedish-transport-agency-approves-test-runs-for-t-pod-on-public-road/

https://www.pnp.de/nachrichten/politik/3262266_Bundesamt-Vor-5G-Auktion-weitere-Forschung-zu-Strahlengefahr.html

https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-03/5g-frequenzauktion-mobilfunk-versteigerung-lizenzen-faq

Niklas Foitzik

Niklas Foitzik ist der "Techie" im Team der smartphonepiloten und ist immer bestens informiert über die neuesten technischen Fortschritte im Mobilfunk- und Hardwaresegment.

Er beschäftigt sich mit aktuellen Smartphones bzw. Tablets und zeichnet sich für unsere Hardware-Tests verantwortlich. Außerdem recherchiert er auf zahllosen anderen Internetportalen zu neuen Gadgets und hat wohl mehr Hardware zuhause als sonst einer von uns. :)

Niklas studierte Allgemeine Sprachwissenschaften, Deutsche Philologie und Komparatistik an der Georg-August Universität Göttingen.

Die smartphonepiloten profitieren von seiner über Jahre aufgebauten Expertise im Bereich Technik, Mobilfunkfrequenzen, Hardware, Prozessoren und diversen -überwiegend technisch orientierten - Themen.

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